Stadtparlamentswahl in Delhi: Große und kleine Verluste

Kommentar10. Februar 2015, 17:22
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Setzt die BJP mangels Alternativen ihren Siegeszug anderswo fort, werden sich ihre radikalen Anhänger bestärkt fühlen

Nach weniger als einem Jahr Amtszeit hat den indischen Premier Narendra Modi die Erfolgswelle jäh abgeworfen, auf der er und seine Hindu-Partei BJP seit dem Wahlsieg vom Mai durchs Land geritten waren. Das ist eine mögliche Interpretation der Wahlen zu Delhis Stadtparlament, und ihr ist manches abzugewinnen: Die gewohnten BJP-Zugewinne hat es diesmal nicht gegeben.

Gerade in der Metropole hatte die Partei gehofft, mit der Betonung straffer Regierungsführung zu punkten. Stattdessen siegten die populistischen Antikorruptionskämpfer von der AAP. Doch allzu große Sorgen müssen sich Modis Strategen nicht machen. Vielleicht freuen sie sich sogar insgeheim. Immerhin hat die BJP im Vergleich zu den Wahlen Ende 2013 nur knapp einen Prozentpunkt verloren.

Und eine Ohrfeige ist die Wahl vor allem für die Kongresspartei. Noch vor wenigen Jahren schien sie in Delhi wie landesweit fast unangefochten. Nun liegen die selbsternannten Hüter des säkularen Staates unter zehn Prozent.

Das ist redlich verdient. Stillstand und Korruptionsskandale ihrer Regierungszeit sind noch frisch im Gedächtnis. Doch auch wenn Mitleid unangebracht ist, gibt ihr Niedergang Anlass zur Sorge: Die AAP hat nicht die landesweite Basis, um der BJP entgegenzutreten. Setzt diese mangels Alternativen ihren Siegeszug anderswo fort, werden sich ihre radikalen Anhänger bestärkt fühlen. Schon jetzt klagen Muslime und Minderheiten über Einschüchterungen. (Manuel Escher, DER STANDARD, 11.2.2015)

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