Patt in Innsbrucks Drogenszene

11. Februar 2015, 05:30
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Polizei nimmt neun Dealer aus "Nordafrikanerszene" fest

Innsbruck - Ein Ende wird das "Katz-und-Maus-Spiel", wie Ermittlungen gegen die "kriminelle Nordafrikanerszene" Innsbrucks vonseiten der Polizei gerne genannt werden, wohl dennoch nicht haben. Aber: "Wir konnten nun fast alle wesentlichen Akteure dingfest machen", verkündete Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag.

Die Bilanz: Sicherstellung von acht Kilogramm Cannabis und 150 Gramm Kokain, 14 Festnahmen, 200 Anzeigen gegen Abnehmer. Seit vergangenen Sommer laufe die Aktion der Polizei, zwischen zehn und zwölf Beamte seien ständig in der Sache im Einsatz.

Wenn in Innsbruck von der Marokkaner- oder Nordafrikanerszene gesprochen wird, sind zwischen 80 und 100 größtenteils junge Männer aus Marokko und Algerien gemeint. Sie kommen zumeist aus "desolaten familiären Verhältnissen", wie Marion Battisti, Rechtsvertreterin für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge der Stadt Innsbruck, sagt - die Jugendlichen seien oft Straßenkinder, Waisen oder in ihrer Heimat Gewalt ausgesetzt gewesen. Laufend kämen neue Männer aus Marokko in Innsbruck an. "Nicht die gesamte Szene ist im Drogenhandel aktiv, aber ja, es finden immer wieder Delikte statt."

"Weder vor noch zurück"

Die Problematik ist nicht neu. Seit über zehn Jahren ist die Landeshauptstadt mit den Flüchtlingen aus Nordafrika konfrontiert. Viele von ihnen haben keinen Pass, Marokko verwehrt mangels Identitätsnachweises die Heimreise, und in Österreich bekommen sie keinen Aufenthaltstitel. "Sie wollen nicht unten sein, dürfen nicht hier sein, leben illegalisiert in Tirol und kommen weder vor noch zurück", sagt Battisti. "Faktische Unmöglichkeit der Abschiebung im großen Stil", nennt es Kirchler.

Nach Angaben der Polizei befinden sich derzeit 60 bis 70 Mitglieder der "nordafrikanischen Suchtgiftszene" in der Innsbrucker Justizanstalt. "Viele kommen in Haft, werden entlassen und kommen wieder in Haft, weil sie keine Perspektive haben", sagt Battisti. Die Polizei schließe nicht aus, dass nun bereits wieder neue Männer aus Marokko auf dem Weg nach Tirol seien. Die 14 Festgenommenen - davon neun aus dem maghrebinischen Raum, fünf aus Österreich, Deutschland und Syrien - sitzen derzeit in Untersuchungshaft. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 11.2.2015)

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