Investor aus China kauft Vermarkter der Fußball-WM

11. Februar 2015, 05:30
13 Postings

Die WM kommt künftig indirekt über China auf den TV-Schirm: Die Dalian-Wanda-Gruppe kaufte sich den Sportrechtevermarkter Infront

Die Dalian-Wanda-Gruppe des Multimilliardärs Wang Jianlin mischt nun auch in der globalen Sportindustrie mit. Die Gruppe, die sich vom umsatzstärksten chinesischen Immobilien-, Kaufhaus- und Hotelriesen zum weltweit investierenden integrierten Unterhaltungs-, Kultur- und Tourismuskonzern umwandeln will, übernahm für 1,05 Milliarden Euro fast alle Anteile am größten europäischen Sportrechtevermarkter Infront Sports & Media.

Infront besitzt Übertragungsrechte von der Fifa-Fußballweltmeisterschaft bis zur Winterolympiade. Das Unternehmen beschäftigt rund 600 Mitarbeiter in zwölf Ländern, richtet auch Sponsoring und Werbung aus und betreibt Event-Management. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) vermarktet die Gruppe mit Sitz in Zug in der Schweiz unter anderem die Länderspiele der Nationalmannschaft und den DFB-Pokal.

Vorstandschef Wang kaufte Infront ihrem Vorbesitzer Bridgepoint für fast das Doppelte des Preises ab, den die Londoner Investmentgruppe einst bezahlt hatte. "Wir wollen Infront zur Nummer eins der globalen Sportvermarkter machen und Wanda zum Spitzenreiter in der Sportindustrie", sagte Wang. Er gab den ein Jahr lang verhandelten Deal am Dienstag in Peking bekannt - gemeinsam mit Infront-Präsident Philippe Blatter und einem Bridgepoint-Vertreter.

Geschäftsführer Blatter wird das Unternehmen zusammen mit fünf der bisherigen Gesellschafter führen. Die sechs hätten sich für 30 Mio. Euro als Minderheitspartner eingekauft und sich bis 2020 vertraglich gebunden, sagte Wang. Blatter ist der Neffe von Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Sport ist die neue Trumpfkarte in der Expansionsstrategie des 60-jährigen Wang. Vor drei Wochen hatte sich der zweitreichste Unternehmer Chinas, den die Hurun-Liste 2015 zusammen mit den Anteilen seiner Familie auf derzeit 25 Milliarden Dollar schätzt, für 45 Mio. Euro einen 20-Prozent-Anteil am spanischen Fussballclub Atlético Madrid gekauft. Wang hatte sich einst auch in Chinas Fußballclub Dalian eingekauft.

Lockruf Olympia

Beim Erwerb von Infront gehe es ihm nicht nur darum, ein neues internationales Geschäftsfeld für Wanda zu eröffnen, er will auch für China Sportpolitik machen. Infront sei in der Sportwelt bestens vernetzt. Die Firma ist laut Wang auch bestens positioniert, China bei seinen Bemühungen um die Austragung internationaler Sportevents zu unterstützen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat im Jänner Chinas Bewerbung um die Austragung der Winterolympiade 2022 in den nordchinesischen Städten Peking und Zhangjiakou akzeptiert. Es entscheidet im Juli. Peking ist heimlicher Favorit, nachdem vier von einst sechs Kandidaten, darunter Oslo und Stockholm, mangels Geldes und öffentlicher Zustimmung ihre Bewerbung aufgaben. Nur Kasachstans Almaty befindet sich noch gegen Peking im Rennen.

Obwohl das schneearme Peking auf keiner olympischen Wintersporttradition aufbauen kann, billigten alle sieben internationalen Wintersportverbände die Planungen Chinas. Sechs der sieben Verbände wurden bisher von Infront vertreten. Wie Blatter jetzt in Peking sagte, sei Infront auch mit dem siebenten Verband in Holland handelseinig geworden. Infront ist damit Partner von gut 130 internationalen Verbänden und Organisationskomitees für den Sommer- und Wintersport.

Wang hat mit Investitionen in zweistelliger Euro-Milliarden-Höhe im In- und Ausland Hotelprojekte und Unternehmen gekauft und Wanda als neuen Kultur- und Dienstleistungskonzern aufgestellt. Nach eigener Ankündigung will er mit gigantischen Unterhaltungs- und Freizeitparks, die er gerade in Wuxi und Kanton bauen lässt, Hongkongs und Schanghais Disneyland und den geplanten Beijing Universal Studios das Wasser abgraben. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 11.2.2015)

  • Eine chinesische Arbeiterin beim Zusammennähen von Maskottchen für die Fußball-WM 2014 in Brasilien. Nun mischt China selbst mit.
    foto: reuters / jianan yu

    Eine chinesische Arbeiterin beim Zusammennähen von Maskottchen für die Fußball-WM 2014 in Brasilien. Nun mischt China selbst mit.

Share if you care.