Ohne Bakterien wären die meisten Flechten in der Bredouille

10. Februar 2015, 19:09
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Grazer Biologen entschlüsselten Funktionen von bakteriellen Besiedelungen der Algen-Pilz-Gemeinschaften

Graz - Flechten zählen zu den robustesten Kreaturen auf der Erde. Die symbiotischen Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen oder Cyanobakterien sind in der Lage, auch die unwirtlichsten Lebensräume zu besiedeln. Für ihre außerordentliche Klimaresistenz scheinen Bakterien eine wichtige Rolle zu spielen. Sie können das Wachstum, die Gesundheit und Fitness ihrer Wirte unterstützen, wie Grazer Biologen und Umweltbiotechnologen nun im Journal der International Society for Microbial Ecology (ISMEI) berichten.

"Der Pilz schützt die Alge und die Alge produziert dafür Zucker. Diesen nutzt der Pilz für sein Wachstum", erklärte Martin Grube, Botaniker und Lichenologe (Flechtenspezialist) von der Universität Graz, das Grundprinzip des perfekten Miteinanders von Algen und Pilzen bei Flechten. Diese Lebensgemeinschaften sind dafür bekannt, dass sie unter schwierigsten Bedingungen und extremen Verhältnissen existieren können. Zusätzlich finden sich auf den vielen tausenden Flechtenarten immer wieder Vergemeinschaftungen von Bakterien. Dieses Phänomen versuchen Grube und seine Kollegen von der TU Graz sowie der Universität Greifswald besser zu verstehen, teilte die Uni Graz am Dienstag mit.

Bakterien mit essenziellen Lebensfunktionen

Dazu haben die Grazer Forscher sowohl die DNA als auch das Proteom - also die Zusammensetzung der Proteine - aller beteiligten Organismen untersucht. Dabei habe man bei bisher schon mehr als 800 Bakterienarten festgestellt, dass diese wichtige Funktionen zum symbiotischen System von Flechte und Pilz besteuern. Das Spektrum reicht laut den Autoren von der Nährstoffzufuhr (vor allem Stickstoff, Phosphor und Schwefel), die Unterstützung der Fotosynthese durch die Bereitstellung von Vitamin B12 bis zur Entgiftung von Stoffwechselprodukten und Bereitstellung von Hormonen.

"Wir haben erstmals in einer umfassenden Erhebung gesehen, welche Funktionen von Bakterien für die Flechtensymbiose von Bedeutung sind", betonte Grube. Genaue Messungen, die mehr über die jeweiligen Gemeinschaften aussagen sollen, sollen nun auf Basis der ersten Erkenntnisse folgen. Für den Grazer Lichenologen steht auf jeden Fall fest: "Wir können vom Ressourcen-Management der Flechten noch viel lernen." (APA/red, derStandard.at, 10.2.2015)

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