Prähistorische Felsgravuren in Italien werden erstmals mit 3-D-Scanner erfasst

10. Februar 2015, 17:21
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In Stein geschlagene Figuren in der Lombardei unter Mithilfe der FH St. Pölten erforscht und katalogisiert

St. Pölten/Brescia - Mehr als 50.000 Petroglyphen, sogenannte Pitoti (im lokalen Dialekt "kleine Puppen"), sind zwischen 4.000 vor unserer Zeitrechnung und dem Mittelalter im norditalienischen Tal Valcamonica in der Lombardei in Stein geschlagen worden. Die figürlichen Darstellungen zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und zeigen Jagd-, Duell- und Tanzszenen sowie so etwas wie Europas erste Landkarte.

Die Fachhochschule St. Pölten unterstützt nun Archäologen im Rahmen des EU-Projekts "3D Pitoti" bei der Erforschung der Figuren. Mittels 3-D-Scanner werden die in Fels gemeißelten Abbildungen erstmals dreidimensional untersucht und in einer eigens entwickelten Datenbank gespeichert.

Die Erforschung der Artefakte gestalte sich jedoch aufgrund der schwer zugänglichen Hanglagen oft mühevoll. Um sie auch einer breiteren Forscherschaft näher zu bringen, wurde nun mit der Digitalisierung der Steinbilder begonnen. "Die traditionelle Methode des Dokumentierens ist sehr zeitaufwendig. Wir müssen die Figuren per Hand auf Plastikfolien malen. Da sich die Folien mit der Temperatur verändern, verzerrt das außerdem nachträglich die Zeichnungen", sagte Alberto Marretta, Archäologe und Direktor am Parco Archeologico Comunale di Seradina-Bedolina in Capo di Ponte im Valcamonica-Tal.

Antworten auf offene Fragen

Die neue Technik liefere mehr Details, inhärente Strukturen in den 3D-Daten der aufgezeichneten Petroglyphen könnten erkennbar und nutzbar gemacht werden: "Wir könnten so Antworten auf offene Fragen finden, wo wir mit den alten Methoden an die Grenzen gestoßen sind", betonte Marretta. Nach Auswertung der Ergebnisse sollen Rückschlüsse auf die Produktion der Bilder gezogen werden, etwa ob das Werkzeug aus Metall oder Stein war und auf welche Art gehämmert und gepeckt wurde. Weiters sollen sich über die Struktur der Schläge bestimmte Stile und eventuell sogar einzelne Künstler identifizieren lassen.

Forscher des Instituts für Creative\Media/Technologies (IC\M/T) an der FH St. Pölten haben im Rahmen des EU-Projekts unter der Leitung der Universität Nottingham mit Beteiligung der Universität Cambridge eine Methode zum automatischen Klassifizieren der Pitoti entwickelt. Zu diesem Zweck werden die Bilder in ein Schema aus Strichen und Knotenpunkten umgewandelt. Computer würden dann anhand des Schemas verbunden mit Eigenschaften der Kontur der Gravuren neue Bilder erkennen und einordnen können, wurde betont.

Durch die Digitalisierung werden die Pitoti auch der Öffentlichkeit etwa in Ausstellungen, als Film, Animation oder Installation dauerhaft zugänglich gemacht. Die Laufzeit des EU-Projekts ist bis Februar 2016 angesetzt. (APA, red, 10.2.2015)

  • Bis zu 6.000 Jahre alt sind die "Pitoti" im Valcamonica in der Lombardei.
    foto: apa/fh st. pölten/markus seidl

    Bis zu 6.000 Jahre alt sind die "Pitoti" im Valcamonica in der Lombardei.

  • Die bisher übliche Methode, die Darstellungen per Hand auf Folien zu übertragen, ist mühsam, nicht immer zuverlässig und stößt mittlerweile an ihre Grenzen.
    foto: apa/alberto marretta/parco archeologico comunale di seradina

    Die bisher übliche Methode, die Darstellungen per Hand auf Folien zu übertragen, ist mühsam, nicht immer zuverlässig und stößt mittlerweile an ihre Grenzen.

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