Ein schweres Foul und die Nachgeschichte

10. Februar 2015, 12:32
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Der FC Zürich und seine Haltung im Fall Gilles Yapi: Obwohl der Ivorer vielleicht nicht mehr professionell spielen kann, wurde sein Vertrag verlängert

Wien - Der Kontrast hätte nicht größer sein können: Seine einstigen Spielerkollegen feierten mit dem Nationalteam von Cote d´Ivoire tanzend den Triumph beim Afrika-Cup, und er, der 48-facher Nationalspieler ist, musste vor dem Fernsehen sitzen. Und selbst, wenn er im Gedanken auf das Tor schoss, in Realität könnte er die Bewegungen nicht nachmachen. Sein rechtes Knie würde das nicht gut vertragen.

Vor drei Monaten sprach noch die halbe Welt von seinem Knie. Die Fußballgeschichte kennt Fouls, die unvergessen sind - man denke an Schumacher, Keane, Zidane -, was aber der einstige Rieder Verteidiger Sandro Wiese tat, erhitzte dank Youtube noch mehr die Gemüter als alle anderen Brutalitäten. Und das bei einem Schweizer-Ligaspiel.

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Übel, übel...

Gilles Yapi hatte kein Glück: acht (!) Verletzungen im Knie trug er davon, darunter einen Kreuzbandriss. Auch das Innenband sowie der mediale und laterale Meniskus waren eingerissen. Fragmentstücke des Meniskus befanden sich im Gelenk, hinzu kamen ein Knorpeldefekt bis auf den Knochen, eine Knochenkontusion und eine Verletzung des Stabilisierungsbands der Kniescheibe.

Wegen der Flüssigkeitsbildung war fast eine Woche lang keine Operation möglich. Der 33-jährige Ivorer humpelte trotzdem schon am Tag nach dem Foul zum Trainingsplatz. Auch Sandro Wieser verzieh er schnell: "Ich habe mein Leben in die Hände Gottes gegeben. Und als Kind Gottes muss man vergeben können." Sein Verein, der FC Zürich, war da weniger versöhnlich, der zeigte den Liechtensteiner Nationalspieler Wieser wegen gefährlicher Körperverletzung an.

Nun unternahm sein Klub etwas im Fußballgeschäft Außergewöhnliches: Wissend, dass Yapi vielleicht nie wieder Fußball spielen kann, verlängerten sie seinen Vertrag am Montag um ein Jahr. Mit Option auf Verlängerung. Außerdem wurde vereinbart, dass sich Yapi nach Beendigung seiner aktiven Karriere in der FCZ Academy zum Nachwuchstrainer ausbilden lässt. Das war dem verletzten ehemaligen Nationalspieler eine willkommen Hilfe, den bei einer Kündigung seines Vertrages und der drohenden Arbeitslosigkeit hätte ihm die Abschiebung gedroht. Doch davon wollte sein Verein nicht hören.

Laut Experten wird Yapi wahrscheinlich nicht mehr Fußball professionell spielen können. Das Problem liegt in den kaputten Knorpeln, die Verheilung wird davon abhängen, wie sehr diese beschädigt wurden. Yapi macht jetzt leichte Fortschritte. Sandro Wieser wurde für das Foul für sechs Spiele gesperrt. (Tamás Dénes, derStandard.at, 10.2.2015)

  • Gilles Yapi mit FCZ-Trainer Urs Meier.
    foto: apa/epa/jakubko

    Gilles Yapi mit FCZ-Trainer Urs Meier.

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