Gehirn-Computer-Interface soll Prognosen für Komapatienten erstellen

10. Februar 2015, 12:09
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Weiterentwicklung eines bestehenden Systems zur Messung von Gehirnimpulsen wird vom Förderprogramm "Eurostars" gestützt

Wien/Linz - Das oberösterreichische Unternehmen für Gehirn-Computer-Schnittstellen g.tec arbeitet an einem Überwachungssystem für Gehirnströme von Komapatienten, mit dessen Hilfe bessere Prognosen zu Heilungschancen erstellt werden sollen. Das Vorhaben ist eines von zwölf Projekten mit österreichischer Beteiligung, das in der jüngsten Antragsrunde für das Förderprogramm "Eurostars" ausgewählt wurden.

Das in Schiedberg südlich von Linz angesiedelte, 1999 als Spin-Off der Technischen Universität Graz gegründete Unternehmen hat in den vergangenen vier Jahren das System "Mindbeagle" entwickelt. Dieses zielt vor allem auf Komapatienten ab, die ihre Umwelt wahrnehmen, sich aber nicht ausdrücken können. Die Diagnose ihrer kognitiven Fähigkeiten ist deshalb sehr schwierig.

Ausbaufähiges System

"Mindbeagle" ermögliche es, den Status von Komapatienten eindeutig zu identifizieren, indem Gehirnimpulse aufgrund verschiedener Aufgabenstellungen gemessen werden, hieß es in einer Aussendung. Zudem könnten Patienten mit dem System auch kommunizieren: Durch Konzentration auf bestimmte Körperstellen mittels eines Brain-Computer-Interfaces könne etwa Ja oder Nein signalisiert werden.

In dieses System will g.tec nun in Kooperation mit dem Universitätskrankenhaus Vaudois in Lausanne (Schweiz) ein Vorhersage-Tool integrieren. "Wenn jemand etwa einen Unfall mit Gehirnverletzungen hat, möchte man in den ersten Tagen eine Prognose abgeben können, wie sich das entwickeln wird", sagte Firmengründer Christoph Guger.

Zudem wollen die Forscher das System auch für den Rehab-Bereich erweitern: "Wir versuchen, die Patienten unter Umständen aus dem Wachkoma wieder aufzuwecken, indem man ihnen Feedback gibt, um gewisse Tätigkeiten wieder zu erlernen", so Guger.

Förderung auf drei Jahre

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wurde in der aktuellen Antragsrunde von "Eurostars" von den insgesamt 89 geförderten Vorhaben am besten bewertet, teilte das Wissenschaftsministerium in einer Aussendung mit. Insgesamt werden zwölf Projekte mit österreichischer Beteiligung mit 3,4 Mio. Euro gefördert, nach Ressortangaben das bisher beste Ergebnis bei einer Ausschreibung des Programms.

"Eurostars" ist ein thematisch offenes, gemeinsames Förderprogramm der Forschungsinitiative EUREKA und der EU-Kommission, an dem 34 Länder teilnehmen. Es ist maßgeschneidert für Forschung und Entwicklung treibende kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen gefördert werden. 75 Prozent der Fördermittel kommen dabei vom Wissenschaftsministerium, 25 Prozent von der EU. (APA, 10.2.2015)

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