29 Flüchtlinge erfroren: Überlebende auf Lampedusa eingetroffen

10. Februar 2015, 11:47
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76 Migranten versorgt, davon sechs unterkühlte Personen im Spital

Rom – Nachdem südlich von Lampedusa 29 afrikanische Flüchtlinge bei der Seefahrt nach Italien erfroren sind, sind die Überlebenden der Tragödie auf Lampedusa eingetroffen. 76 Migranten wurden auf der Mittelmeerinsel versorgt. Sechs stark unterkühlte und unter Schock stehende Afrikaner wurden in das Krankenhaus der Insel eingeliefert. Einer von ihnen liegt im Koma, wie italienische Medien berichteten.

Identifizierung der Toten

Die anderen Überlebenden wurden in einem Flüchtlingslager auf der Insel untergebracht. Die Leichen der 29 Toten befinden sich in einem Hangar des Flughafens der Insel. Sie sollen identifiziert werden. Bei ihrer Flucht nach Europa über das Mittelmeer waren die Migranten in der Nacht auf Montag bei Sturm und eisigen Temperaturen erfroren. Insgesamt wurden bei der Rettungsaktion 105 Flüchtlinge aus einem Fischerboot geholt. Sieben waren nach Angaben eines Sprechers der Küstenwache bereits tot, die anderen 22 starben nach Angaben von Medizinern später an den Folgen ihrer schweren Unterkühlung nach der Rettung auf hoher See.

Die Küstenwache war laut Medienberichten von Bootsflüchtlingen via Satellitentelefon alarmiert worden. Daraufhin wurden zwei Handelsschiffe zu dem Flüchtlingsboot geschickt. Die Küstenwache schickte zwei eigene Schiffe, die die Flüchtlinge am Sonntagabend an Bord nahmen und am Montagnachmittag mit ihnen auf Lampedusa eintrafen. Sturm und bis zu acht Meter hohe Wellen erschwerten die Rettungsarbeiten, wie die Küstenwache mitteilte.

Der Präsident der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, zeigte sich erschüttert. "Solange Europa wegschaut und nicht begreift, dass Italien wirklich Europas Tor ist, wird es weitere Tragödien im Meer geben", kommentierte Bagnasco. "Horror von Lampedusa", schrieb die Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, via Kurznachrichtendienst Twitter. "Diese Menschen starben nicht in einem Schiffswrack, sondern an Kälte. Das sind die Folgen des Endes von Mare Nostrum."

Rettungsmission "Mare Nostrum" eingestellt

Die italienische Marine hatte ihre Rettungsmission "Mare Nostrum", die im vergangenen Jahr die Rettung tausender Migranten erlaubte, im Oktober eingestellt. Die Mission wurde durch den europäischen Einsatz "Triton" abgelöst, der jedoch deutlich kleiner ist, und dessen Fokus mehr auf der Sicherung der EU-Grenzen als auf der Rettung der Flüchtlinge liegt. Kritiker hatten "Mare Nostrum" vorgeworfen, die Flüchtlinge zur gefährlichen Überfahrt zu ermutigen. Die jüngsten Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass die Zahl der Flüchtlinge auch nach dem Ende dieses Einsatzes nicht zurückgeht.

Lega Nord fordert Ende der "Triton"-Mission

Der Chef der rechtspopulistischen Oppositionspartei Lega Nord, Matteo Salvini, forderte von der EU das sofortige Ende der "Triton"-Mission. Der Einsatz fördere die illegale Einwanderung, lautet der Vorwurf. Salvini verlangte auch den Rücktritt von Innenminister Angelino Alfano, der seiner Ansicht nach nichts unternommen habe, um den anhaltenden Flüchtlingsstrom in Richtung Italien zu stoppen.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums kamen allein im Jänner mehr als 3500 Flüchtlinge nach Italien. Selbst Winterstürme halten die verzweifelten Menschen nicht von den gefährlichen Überfahrten meist von Libyen aus ab. Im vergangenen Jahr trafen 170.000 Flüchtlinge in Italien ein. (APA, 10.02.2015)

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