Raiffeisen: Kräftiger Rückbau nach halber Milliarde Verlust

10. Februar 2015, 13:00
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RBI hielt den Verlust 2014 bei knapp unter einer halben Milliarde, für Bankchef Sevelda ist der Rückzug aus einigen Märkten eine "Zäsur"

Wien - Die Aktien der Raiffeisen Bank International (RBI) haben am Dienstag den Handel nach Vorlage von vorläufigen Jahreszahlen klar im Plus begonnen. In den ersten Handelsminuten kletterten die Papiere um 6,06 Prozent auf 12,08 Euro nach oben.

Bereits am Montag nach Börsenschluss legte die RBI ihre Ergebnisse vor. Die Bank konnte ihren Jahresverlust 2014 mit 493 Mio. Euro ganz knapp unter der selber vorgegebenen Höchstgrenze halten. Eine Dividende auf das Aktienkapital entfällt deshalb. Zudem hat der RBI-Aufsichtsrat sich zu harten Einschnitten im Osten durchgerungen und einen dramatischen Schrumpf-Kurs beschlossen: Um Kapital freizuschaufeln, wurden die Banktöchter in Polen und Slowenien zum Verkauf gestellt. Auch die Direktbank Zuno wird verkauft.

Reges Interesse an Töchtern

Die RBI hofft auf einen raschen Verkauf ihrer slowenischen Tochter. Die entsprechenden Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, sagte Bankchef Karl Sevelda am Dienstag. Für die Onlinebank Zuno habe das Institut mehr als 20 Interessenten. Zudem wolle RBI den Verkaufsprozess für die polnische Tochter in Kürze starten. "Wir sind zuversichtlich, dass wir hier auf reges Interesse stoßen werden beziehungsweise sehen dieses rege Interesse bereits", sagte Sevelda.

Aus Ungarn zieht sich die RBI hingegen nicht zurück, wurde bekräftigt. Die dortige defizitäre Tochter wird aber "restrukturiert" und "optimiert." "Der ungarische Markt ist uns zu wichtig, um ihn aufzugeben", sagte Sevelda.

Den Aktionären machte der Bankchef wenig Hoffnung auf große Dividendenzahlungen auch in den kommenden Jahren. Die EZB rate vielen Instituten zu einer vorsichtigen Dividendenpolitik - was die Bank auch umsetze. "Wir wollen die Dividendenpolitik so ausrichten, dass das Eigenkapitalziel von zwölf Prozent nicht gefährdet wird", sagte Sevelda. Die Kosten will das Institut in den kommenden Jahren um 20 Prozent reduzieren und plant dafür einen Mitarbeiterabbau in der Zentrale sowie bei den Tochterbanken.

Weniger Risiko in Russland

In Russland wird das Risiko bis zum Jahr 2017 um 20 Prozent zurückgefahren. In der Bilanz 2014 wurde der Firmenwert der Russlandtochter schon abgeschrieben. In der Ukraine werden die Bilanzrisiken bis 2017 sogar um 30 Prozent abgebaut.

Bis Ende 2017 werden zudem die Geschäftsaktivitäten in Asien, wo zuletzt hohe Kreditrisikovorsorgen gebildet werden mussten, und schon bis Ende 2016 in den USA signifikant zurückgefahren oder ganz aufgegeben.

Kapitalquote aufbessern

Mit den drastischen Kürzungen im Geschäft will die Bank ihre Kapitalquoten aufbessern. Als neues Ziel wurde heute eine harte Kernkapitalquote (CET1 Ratio/"fully loaded") von 12 Prozent bis Ende 2017 definiert. Ende 2014 lag der Wert bei 10 Prozent.

Nach Ansicht der Analysten der UBS sowie der Citigroup fiel der von der RBI bekanntgegebene Verlust etwas höher aus als erwartet. Allerdings fiel der Vorsteuerverlust etwas niedriger aus als prognostiziert, was darauf hindeutet, dass hohe Kosten für Steuern ausschlaggebend waren für den höher ausgefallenen Verlust (nach Steuern), ergänzen die Citigroup-Analysten. Die Citi-Experten erachten den von der RBIvorgestellten Kapitalplan zudem als weitgehend "glaubwürdig" und rechnen daher mit positiven Effekten auf den Aktienkurs. (Reuters, 10.2.2015)

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    grafik: apa
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