Kaufmännischer Direktor Weinhäupl verlässt Leopold-Museum

10. Februar 2015, 09:05
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Weinhäupl: "Rückzug ist rein freiwillig und im guten Einvernehmen" - Ex-Direktor Natter: "Eine gute Entscheidung"

Wien - Peter Weinhäupl wird das Leopold Museum verlassen. In der Vorstandssitzung der Leopold Museum-Privatstiftung gab der Kaufmännische Direktor gestern, Montag, bekannt, keine Verlängerung seines Anfang 2016 auslaufenden Vertrages anzustreben. Im Gegenzug beschloss der Vorstand, die Positionen des Kaufmännischen und des Museologischen Direktors ehestmöglich und zeitgleich neu auszuschreiben.

Seit dem Rücktritt des Museologischen Direktors Tobias Natter im Herbst 2013 ist diese Position interimistisch mit dem Sammlungskurator Franz Smola besetzt. Natter hatte damals seinen Rücktritt damit begründet, dass der Vorstand nichts gegen eine gleichzeitige Tätigkeit Weinhäupls in der seiner Meinung nach umstrittenen und intransparenten, über Klimt-Werke aus der ehemaligen Sammlung Ucicky verfügenden Klimt-Foundation habe.

"Freiwilliger Rückzug"

Weinhäupls ehrenamtliche Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Klimt-Foundation habe mit seiner jetzigen Entscheidung "nichts zu tun, diese gemeinnützige Stiftung stehe heute auf einer guten Basis und sei sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft anerkannt. Forschungsaufträge und zahlreiche Leihanfragen im In- und Ausland würden das bestätigen", wurde Weinhäupl heute Vormittag in einer Pressemitteilung der Leopold Museum-Privatstiftung zitiert.

"Mein Rückzug ist rein freiwillig und im guten Einvernehmen, ich konnte davon ausgehen, dass mein Vertrag als Kaufmännischer Direktor um weitere fünf Jahre verlängert worden wäre", betonte Weinhäupl gegenüber der APA. "Mein Verhältnis zum Vorstand der Leopold Museum-Privatstiftung ist hervorragend, das Leopold Museum hat sich gerade in den letzten Jahren hervorragend entwickelt, auf Kooperationsebene wurden mir weitere gemeinsame Projekte angeboten."

Neue Herausforderungen

Er habe nach knapp 15 Jahren im Dienste der Stiftung alles erreicht, das Museum mit 350.000 Besuchern als mit Abstand besucherstärkstes Haus im Museumsquartier positioniert und gemeinsam mit einem starken Team eine starke, authentische Marke aufgebaut, so Weinhäupl. Er wolle sich nun neuen beruflichen Herausforderungen stellen.

"Es gibt vielerlei Perspektiven. Einerseits gibt es konkrete Perspektiven in anderen Kulturstiftungen, andererseits werde ich mein Know-how als Kulturmanager in der Wissensvermittlung in diversen universitären Einrichtungen in Österreich und Deutschland einbringen", so Weinhäupl zur APA. "Meine Vorstandstätigkeit in der Klimt-Foundation werde ich ebenfalls weiter betreiben, hier laufen zahlreiche wissenschaftliche Projekte."

Er werde nicht vor Sommer 2015 ausscheiden, der Stiftung noch bis zur Genehmigung der Bilanz des Geschäftsjahres 2014/15 und der Neubesetzung der beiden Direktoren-Posten zur Verfügung stehen, die nun gleichzeitig erfolgen könne. Durch die Doppelausschreibung "werden völlig neue, größere Weichenstellungen für das Museum möglich".

Als wichtigste Fragen, denen sich sein Nachfolger bzw. seine Nachfolgerin widmen müsse, nannte Weinhäupl die Integration der Sammlung Leopold 2, die mittelfristige finanzielle Absicherung des Hauses, die Errichtung der "Libelle" am Dach des Leopold Museums und die Verfolgung von mittelfristigen Visionen, "bis hin in Richtung eines gemeinsamen Museumsquartiers, das alle drei großen Institutionen zu einem gemeinsamen Ganzen zusammenführt. Dabei soll das Leopold Museum eine führende Rolle spielen."

Natter: "Eine gute Entscheidung"

Als "eine gute, längst überfällige Entscheidung" bezeichnete der frühere Museologische Direktor des Leopold Museums, Tobias Natter, den heute bekannt gewordenen Entschluss des Kaufmännischen Direktors Peter Weinhäupl, das Leopold Museum zu verlassen.

Gegenüber der APA wollte Natter, der im Herbst 2013 seinen eigenen Rücktritt damit begründet hatte, dass der Vorstand der Leopold Museum-Privatstiftung nichts gegen eine gleichzeitige Tätigkeit Weinhäupls in der seiner Meinung nach umstrittenen und intransparenten Klimt-Foundation habe, keinen weiteren Kommentar dazu abgeben.

Auf die Frage, ob er sich bei der nun angekündigten Ausschreibung des Museologischen Direktors eventuell neuerlich bewerben werde, verwies Natter auf seine seither sehr erfolgreich entfaltete Tätigkeit als freier Kurator, Berater und Kunstexperte. Kategorisch ausschließen wollte er freilich nichts. "Es gibt doch den schönen Spruch: Man begegnet einander im Leben immer zweimal", so Natter. (APA, 10.02.2015)

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