Torte von Cup Cakes Wien: Ziemlich schön, ziemlich gut, fast unziemlich teuer

10. Februar 2015, 17:39
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Der Geiz und die Geilheit: Harald Fidler kauft eine Torte bei Cup Cakes Wien

Wien - Vielleicht schimpfen Sie mich jetzt einen sierigen Hund. Vielleicht auch einen indiskreten. Und vermutlich heißen Sie mich völlig ahnungslos. Aber wer sich schon in diese Kolumne verirrt hat, den kann das nicht überraschen.

Viele Worte um eine Torte

Denn: Der Fidler ist tendenziell ein Preis-Leistungs-Esser, der in anspruchsvolleren Preisregionen schon einmal schluckt - oder auch zweimal, der nicht hinter dem Berg hält, was der Wunderbaren gerade gefiel oder einfiel. Und der grundsätzlich universell dilettiert, sich aber bei Süßspeisen im Allgemeinen und Torten im Besonderen besonders gar nicht auskennt.

Kurzum: eine ideale Ausgangslage für den ersten Ausflug in die Tortenwelt in bald neun Jahren dieser kleinen, dreckigen Fresskolumne.

Wunderschöne Tortenwelt

Der Impuls kam, wie ohnehin alle mit Sinn, von der Wunderbaren an meiner Seite. Die hatte einen schönen Anlass, hat ein ausgeprägtes Faible für die schmucken Cup Cakes von Cup Cakes Wien. Legt man diese beiden Eigenschaften übereinander, ist man recht rasch in der wirklich schönen Tortenwelt auf der Seite der Wiener Süßwarenmanufaktur.

Halbe Torte, zwei Drittel Preis

Und weil die Wunderbare, mit Ausnahme von mir, stets großen Geschmack zeigt, identifizierte sie rasch das schmuckste Exemplar - elegantes Weiß mit dezenten schwarzen Punkten, obendrauf Blumen, drinnen Karotte und Mango. Sie fragte selbst an und schreckte vor dem Preis für ein Exemplar doch merklich zurück, aus dem sich zehn Portionen ausgehen sollten: 155 Euro.

foto: harald fidler

Und wie sieht eine etwas günstigere Variante aus, wollte die Wunderbare daraufhin wissen. Für 100 Euro ginge sich dieses Modell in der gewählten Geschmacksrichtung schon aus - wenn man auch mit fünf Portionen das Auslangen findet. Wäre natürlich wirklich fies, das auf die Formel "Halbe Torte, zwei Drittel Preis" zu bringen - schließlich ist schon die Deko fast genauso aufwändig.

Der Torten sind genug gedrechselt

Ich bestellte das große Exemplar, man will ja nicht als sieriger Hund gelten, wenn zehn Gäste da sitzen und sich um fünf Tortenstücke balgen müssen. Freundlicherweise sah Cup Cakes Wien darüber hinweg, dass ich die Rechnung nicht zeitgerecht im Voraus beglich, wie praktisch bei jeder Torte gewünscht - weil jede Torte eine Sonderanfertigung ist, wie mir beschieden ward.

Nur Stunden vor dem Abholen fiel mir die Vorauskasse wieder ein - sie war, danke dafür, rechtzeitig fertig. Sonst hätt ich noch rasch backen müssen, und das will ich nun wirklich niemandem zumuten.

Geiz und geil

Wie also schmeckt eine Mango-Karottentorte, umhüllt von hoch professionellem Fondant ud gekrönt von echten, wie man betont, Blumen, womöglich Ranunkeln? Ziemlich gut und ziemlich geil, sag ich. Wenn da nicht dieser Fondant wär, den die halbe Gästeschaft nicht verputzte, ich Dilettant aber schon - der war mir einfach zu geil. Kundige Tortenesser und Tortenesserinnen lobten Flaum- wie Saftigkeit des Innenlebens, manche fanden sie gar ausgezeichnet.

Eine kundige Kosterin im O-Ton: "Diese Torte war nur so süß wie sie es brauchte, um nicht pikant zu wirken, der Rest waren die Hauptdarsteller Karotte und Mango, mehr die Karotte. Sie war wunderbar leicht, fast 'fluffig', nicht fest geschichtet und auch nicht fett im Geschmack - und sie roch so gut." Aber: Da rede sie nicht vom Fondant.

foto: harald fidler

Frosting, Väterchen!

Und wenn dann nicht kurz vor Mitternacht eine zweite höchst kundig in Heimarbeit verfertigte Karottentorte aufgetaucht wäre, mit geradezu saisonalem, jedenfalls weit leichterem Frosting zudem statt Fondant, nicht ganz so schön, nicht ganz so geil, aber sehrsehr gut: Ich hätte hier vielleicht gar nichts gesagt.

Wiewohl, Sie wissen ja, ich bin schon ein sieriger Hund, ein indiskreter und auch recht ahnungsloser. Gerade bei Torten. (Harald Fidler, derStandard.at, 10.2.2015)

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