Das Sicherheitsgefühl

Kolumne9. Februar 2015, 17:22
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Es ist immerhin Amerika. Man sollte sich nie zu sicher fühlen. Andererseits, es gibt hier nicht wirklich einen Grund, sich unsicher zu fühlen. Wo es nicht nötig ist, Straßenlaternen aufzustellen, da braucht man sich nicht zu fürchten, maximal davor, auf einer Eisplatte auszurutschen oder über einen Bordstein zu stolpern. Und wenn manche Bewohner sogar ihre Häuser unversperrt lassen, dann ist das Zusperren entweder nicht nötig, oder sie haben nichts, was man ihnen nehmen könnte. Ja, es ist Amerika, aber Amerika ist nicht Amerika. Auf mehr als 2000 Meter Seehöhe, da ist die Welt noch in Ordnung.

In der Stadt Eagle, dem Verwaltungssitz des Eagle County, zu dem Vail und Beaver Creek gehören, lag die Kriminalitätsrate im Jahr 2013 um 54 Prozent unter dem Schnitt für den Bundesstaat Colorado. Und Colorado lag sieben Prozent unter dem US-Schnitt.

Eagle ist sicherer als rund 80 Prozent der Städte in den USA, sagt die Statistik. Zwischen 2006 und 2013 gab es in der 6500-Einwohner-Stadt keinen Mord und auch keinen Raubüberfall. Sollten die Leute hier Waffen besitzen, machen sie offenbar keinen Gebrauch davon. Sehr beruhigend. Oder ihnen sind die Waffen gestohlen worden. Durchaus denkbar. 2013 wurden in Eagle 73 Diebstähle verzeichnet. Das sind die häufigsten Delikte in der Kleinstadt. Hingegen gab es nur zwei Einbrüche. Wenn die Türen offen stehen, braucht man ja nicht einbrechen. So freundlich sind die Leute hier. Es ist immerhin Amerika. Aber auch in Amerika kann man sich sicher fühlen. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 10.02.2015)

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