Bundesheer macht Mikl-Leitner für den Terrorfall ein Angebot

10. Februar 2015, 07:00
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Für einen Worst Case in Österreich brauche es nicht neue Hubschrauber, sondern drei konkrete Bereitschaftspläne

Wien - Nach wochenlanger Bedarfsanalyse und eingehenden Berechnungen für einen Terrorfall in Österreich hat das Verteidigungsministerium am Montag dem Innenressort ein Offert übermittelt: Für einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr könnten die Hubschrauber des Heeres im Worst Case, etwa bei Geiselnahmen, den Spezialeinheiten der Exekutive raschest zur Verfügung stehen - und dafür brauchte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner keine zusätzlichen, kostspieligen Helikopter anzuschaffen.

Wie berichtet, drängte die ÖVP-Ministerin unmittelbar nach den Anschlägen in Paris auf neue Hubschrauber, später knüpfte sie an ihren Verzicht Bedingungen: Erstens müssten die Militärmaschinen für die Cobra rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Und zweitens, hielt Mikl-Leitner für den Ernstfall fest, dass die Heereshubschrauber binnen einer Stunde einsatzbereit zu sein hätten, damit ihre Sonderkommandos schnell an Ort und Stelle sein können.

Zermürbender Bereitschaftsgrad

Ein derart hoher Bereitschaftsgrad würde aber wegen einer Unzahl an Überstunden für Piloten wie Bordpersonal der Republik viel Geld kosten - und auf lange Sicht "die Mannschaften auspowern", erklärt dazu Brigadier Karl Gruber, Airchief des Bundesheeres. Deswegen hat die Militärspitze rund um Generalstabschef Othmar Commenda nun folgende Einsatzpläne ausgearbeitet:

Normale Sicherheitslage Liegt keine akute Terrorbedrohung hierzulande vor, stehen zwei Transporthubschrauber des Heeres, meist Black Hawk oder Agusta Bell 212, bereit, die am Tag binnen 120 Minuten, bei Nacht binnen 180 Minuten allfällige Krisenpunkte ansteuern können.

Höhere Gefährdungslage Bei hohen Staatsbesuchen oder großen Sportereignissen, bei denen es zu gefährlichen Situationen kommen könnte, werden Hubschrauber (Typen nach jeweiligem Bedarf) zu den Stützpunkten des Innenressorts verlegt - konkret nach Wiener Neustadt oder nach Innsbruck. Damit wäre man binnen 60 Minuten startklar.

Kritische Lage Zeichnen sich im Land konkrete Gefahren ab, wird die Flotte in die höchste Bereitschaftsstufe versetzt - und die Hubschrauber können binnen 15 Minuten abheben, weil "die Mannschaften praktisch schon mit kugelsicheren Westen" neben dem Fluggerät stehen, wie es Gruber ausdrückt.

Profis statt Lufttaxis

Dazu bietet das Bundesheer an, mit der Cobra hundert Tage pro Jahr gemeinsam Manöver abzuhalten, denn eines stellt Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) gegenüber seiner Koalitionspartnerin auch klar: dass die Heerespiloten die Cobra zwar jederzeit sinnvoll unterstützen können - "aber sie sind mehr als bloße Lufttaxis". Der Plan des Ministers wie der Militärs lautet nun, dass diese Krisenpläne in einem Verwaltungsübereinkommen festgeschrieben werden. Für den erhöhten Aufwand im Normalbetrieb soll das Innenressort aufkommen, im Terrorfall - und damit bei Assistenzleistung - übernähme wie bisher das Verteidigungsministerium die Kosten. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 10.2.2015)

  • Sollen künftig hundert Tage im Jahr gemeinsam für den Terrorfall üben: die Cobra und die Besatzungen der Heereshubschrauber.
    foto: robert newald

    Sollen künftig hundert Tage im Jahr gemeinsam für den Terrorfall üben: die Cobra und die Besatzungen der Heereshubschrauber.

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