Eingeschleppte Räuber bedrohen Australiens Säugetiere stärker als gedacht

15. Februar 2015, 20:45
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Vor allem Katzen und Rotfüchse gefährden heimische Tierarten zunehmend

Canberra - Die einzigartige Tierwelt Australiens schrumpft laut einer neuen Studie alarmierend schnell. Säugetiere sind dort stärker vom Aussterben bedroht als in anderen Weltregionen. Ein Drittel der weltweit mehr als 80 Landsäugetierarten, die in den vergangenen 200 Jahren ausstarben, waren einst in Australien zu Hause.

Das berichten australische Forscher nach der Auswertung von rund 3.000 Studien in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS"). Schuld seien vermutlich in erster Linie eingeschleppte Arten wie Katzen (Felis catus) und Rotfüchse (Vulpes vulpes), die heimische Tiere fressen.

Mensch nicht das Hauptproblem

Das Ausmaß des Verlustes sei bisher nicht bekannt gewesen, sagte Autor John Woinarski von der Charles Darwin-Universität in Darwin. Die Regierung liste 20 Arten als ausgestorben auf, in Wirklichkeit seien es mindestens 28. Es müsse viel mehr für den Schutz der bedrohten Arten getan werden: "Australier geben sechs Milliarden Australische Dollar (4,12 Milliarden Euro) im Jahr für Haustiere aus - mehr, als die Regierung für den Schutz gefährdeter Arten hergibt."

In vielen Ländern sind Tiere gefährdet oder ausgestorben, weil Menschen ihren Lebensraum beschneiden. Nicht jedoch im dünn besiedelten Australien: Die Tiere haben zwar Platz, werden aber von Räubern gejagt, die eigentlich nicht auf den Kontinent gehören: Fuchs und Katze wurden im 17. und 18. Jahrhundert aus Europa eingeführt und breiteten sich seither stark aus.

Jede fünfte Spezies bedroht

Weile viele heimische Säugetiere fernab der Menschen lebten, sei Australiern der Verlust der Fauna kaum bewusst, sagte Woinarski. "Und viele der gefährdeten Arten haben leider auch nicht das Charisma größerer Säugetiere. Viele sind Nachttiere und zudem scheu, also im Bewusstsein der Menschen nicht so präsent." Ausgestorben sind etwa das Nacktbrustkänguru (Caloprymnus campestris) oder die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola).

In den vergangenen 200 Jahren seien mehr als zehn Prozent der einst 273 einheimischen Landsäugetiere ausgestorben, schreiben Woinarski und Kollegen in der Studie. In den USA sei es im gleichen Zeitraum nur eine Art gewesen. Jede fünfte Species gelte auf dem fünften Kontinent als bedroht. Es deute alles darauf hin, dass weiter alle zehn Jahre ein bis zwei Spezies aussterben.

"Wir haben mindestens zehn Arten, von denen es weniger als 1.000 Exemplare gibt", sagte Woinarski. Dagegen würden die Populationen der wildlebenden Katzen und Füchse auf je zehn bis 20 Millionen geschätzt. Diese richten nach Angaben des Forschers mit Abstand den größten Schaden an. (APA/red, derStandard.at, 15.2.2015)

  • Hauskatze reißt Kurznagelkänguru. Diese Beuteltierart gilt mit weniger als 1.100 ausgewachsenen Tieren in freier Wildbahn als stark gefährdet.
    foto: queensland parks and wildlife service

    Hauskatze reißt Kurznagelkänguru. Diese Beuteltierart gilt mit weniger als 1.100 ausgewachsenen Tieren in freier Wildbahn als stark gefährdet.

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