Der letzte Kampf um das Diplomstudium

10. Februar 2015, 05:30
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Knapp 60.000 Studierende zittern um ihren Magister-Titel

Wien - Das Ziel, das Studium mit einem Magistertitel abzuschließen, ist für zahlreiche Studierende nicht mehr erreichbar. 58.870 Studenten sind für ein Diplomstudium inskribiert - und das abzüglich der Lehramtsstudenten. Doch die Chancen, das Studium mit dem angepeilten Titel abzuschließen, werden immer geringer. Der Grund dafür ist der Bolognavertrag aus 1999, mit dem Österreich beschloss, auf Bachelor- und Masterstudiengänge umzusteigen.

Derzeit gibt es österreichweit noch 54 Diplomstudien. Prinzipiell haben Österreichs Universitäten bei der Umstellung auf Diplomstudien freie Hand. Allerdings haben sich zahlreiche Universitäten bereits für eine Umstellung auf das Bologna-System entschieden. Allein in Graz laufen mit Ende Februar 39 Studienzweige aus. In Wien wird unter anderem das Diplomstudium Theater-, Film- und Medienwissenschaften mit April 2015 eingestellt. Wer bis Semesterende nicht genügend ECTS gesammelt, die Diplomarbeit geschrieben und seine Diplomprüfung abgelegt hat, kann sich nur auf das Bachelorstudium zurückstufen lassen. Durch andere Lehrpläne im Bachelor werden oft bereits abgelegte Prüfungen nicht anerkannt.

ÖH kritisiert Bologna-System

Die Österreichische Hochschülerschaft sieht die automatische Umstellung vom Diplom- auf das Bachelorstudium kritisch. "Dies zeigt einmal mehr, dass dieses Modell finanziell abgesicherte Studierende begünstigt", sagt Viktoria Spielmann, Vorsitzende der ÖH. Denn mehr als 60 Prozent würden neben dem Studium arbeiten. Ein fristgerechter Abschluss des Diplomstudiums sei deshalb für viele Studierende nahezu unmöglich. "Zu Bologna kann man prinzipiell sagen: gut gemeint, schlecht getroffen", folgert Spielmann. Denn durch fehlende Transparenz sei auch der Umstieg auf ein Masterstudium oft schwierig. Die ÖH fordert deshalb eine Durchlässigkeitsplattform, auf der Universitäten die Auflagen für ein Masterstudium dokumentieren sollen.

Dr. Bachelor

Seit Oktober 2012 können Lehramtsstudien sowie die Studien Human- und Zahnmedizin als Bachelor- und Masterstudien angeboten werden. In Wien und Salzburg sind die Lehramtsstudien bereits umgestellt. Nächstes Jahr sollen die Universitäten in Graz, Innsbruck und Klagenfurt folgen.

Ab Herbst wird in Linz das Studium Humanmedizin erstmals mit Bachelor- beziehungsweise Masterabschluss angeboten. Auch die Medizinische Universität Graz führt für angehende Medizinstudenten das Bologna-System ein. Lediglich Studierende der Rechtswissenschaften müssen in Österreich nicht um ihren Magistertitel bangen - zumindest vorerst. Denn unter anderem wird an der Wiener Wirtschaftsuniversität das Jus-Studium bereits gemäß Bologna angeboten. Anders ist die Lage an Österreichs Kunstuniversitäten. Beispielsweise werden an der Universität für angewandte Kunst in Wien auch weiterhin Diplomstudien angeboten. "Zum Umsteigen auf ein Bachelor- bzw. Masterstudium wird bei uns niemand gezwungen", sagt Gerald Bast, Rektor der Universität. (skh, DER STANDARD, 10.2.2015)

  • Derzeit gibt es österreichweit noch 54 Diplomstudien.
    foto: standard/christian fischer

    Derzeit gibt es österreichweit noch 54 Diplomstudien.

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