Überziehungszinsen könnten sinken

10. Februar 2015, 05:30
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Für Österreichs Bankkunden sind Überziehungszinsen teuer. Während Deutschlands Institute an der Gebührenschraube drehen, wird hierzulande eine Lösung gesucht

Wien - Die Deutschlandtochter der niederländischen ING-DiBa strich im Vorjahr öffentlichkeitswirksam als erste Großbank in Deutschland den Überziehungszins für Girokonten. Es sei nicht vertretbar, "dass Kollegen noch zweistellige Überziehungszinsen verlangen", ließ damals ING-DiBa-Chef Roland Boekhout verlauten. Zehn Prozent oder mehr wurden den Kunden für das Überschreiten des vereinbarten Kontorahmens in Rechnung gestellt.

Der Schritt setzte auch andere Banken unter Druck. Dieser Tage zogen weitere Sparkasseninstitute nach. Wir sehen einen Trend zur Abschaffung des Überziehungszinses", sagte ein Sprecher der Sparkassen-Dachorganisation DSGV. Etwa die Hälfte der 416 deutschen Sparkassen dürfte inzwischen auf dieses Zusatzeinkommen verzichten. Hierzulande blieb es bisher bei Dauerkritik an den hohen Zinsen, die Kunden zahlen müssen, wenn sie ihren Kontorahmen überziehen. Während man allerdings in Österreich bereits bei einer Ausnützung des Einkaufsrahmens (Kontostand ist im Minus, aber noch innerhalb des genehmigten Limits) von Überziehungszinsen spricht, wird in Deutschland dieser Begriff erst für Zinsen, die bei einem negativen Kontostand außerhalb des Einkaufsrahmens anfallen (Überziehungsprovision) verwendet.

Wenn also davon die Rede ist, dass deutsche Geldinstitute die Überziehungszinsen abschaffen, so sind damit die Zinsen gemeint, die zusätzlich zu den im Einkaufsrahmen anfallenden Sollzinsen verrechnet werden. Sollzinsen auf negative Kontostände existieren auch in Deutschland weiterhin. Hierzulande liegt der unter dem Begriff "Überziehungsprovision" firmierende Strafzins bei drei bis fünf Prozent. Den Konsumentenschützern sind aber ohnedies besonders die Sollzinsen für überzogene Konten ein Dorn im Auge. Bei Girokontoüberziehungen im Ausmaß von zwei, drei Monatsgehältern werden bei manchen Banken immerhin bis zu 13,25 Prozent im Jahr fällig.

AK für Zinsabsenkung

"Die Sollzinsen wurden nie an das stark gesunkene Niveau der Leitzinsen angepasst", kritisiert Gabriele Zgubic-Engleder, Leiterin der AK-Konsumentenpolitik im Gespräch mit dem Standard. Sie fordert schon lange eine Absenkung der Überziehungszinsen im Neugeschäft. Bei der Bank Austria sieht man auf Anfrage keinen Handlungsbedarf. Ein Einkaufsrahmen sei ohnedies nur für kurzfristige Engpässe gedacht. "Für längerfristigen Kapitalbedarf bieten die Kreditinstitute Konsumkredite mit deutlich besseren Konditionen an." Was die Höhe der Sollzinsen betreffe, so "steht diese in keinem Zusammenhang mit dem aktuell niedrigen Zinsniveau, sondern liegt in höheren Risiken und Geldbeschaffungskosten für die Bank sowie fehlender Planbarkeit dieser Gelder begründet, die ohne ausdrückliche Vereinbarung zur Verfügung gestellt werden".

Zgubic kann das Argument der fehlenden Planbarkeit nicht nachvollziehen: "Das muss ich ohnedies bei der Definition des Überziehungsrahmens festlegen. Die Banken wollen einfach auf dieses Einkommen nicht verzichten." Abgewinnen kann Zgubic-Engleder etwas der deutschen Diskussion, wo über weitere Informationspflichten für Banken nachgedacht wird. So sollen Kreditinstitute verpflichtet werden, Kunden über Alternativen zum Dispo zu informieren. Am Ende sei aber Transparenz alleine zu wenig: "Die Zinsen müssen einfach nach unten gehen. Es kann nicht sein, dass diese seit Jahren unverändert sind", so Zgubic-Engleder. Als letztes Mittel kann sie sich auch eine Deckelung vorstellen.

Tatsächlich scheint in Österreich Bewegung in die Sache zu kommen. Aus dem Sozialministerium wird bestätigt, dass es diesbezüglich Gespräche mit heimischen Banken gibt. (Regina Bruckner, DER STANDARD, 10.2.2015)

  • Die Kritik an hohen Zinsen ist nicht neu. Vor allem die Überziehungszinsen sind Konsumentenschützern schon lange ein Dorn im Auge. Während sie in Deutschland offenbar Wirkung zeitigt, ist man hierzulande noch auf der Suche nach einer Lösung.
    foto: dpa/hildenbrand

    Die Kritik an hohen Zinsen ist nicht neu. Vor allem die Überziehungszinsen sind Konsumentenschützern schon lange ein Dorn im Auge. Während sie in Deutschland offenbar Wirkung zeitigt, ist man hierzulande noch auf der Suche nach einer Lösung.

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