Ärztearbeitszeit: AKH-Verhandlungen im Endspurt

10. Februar 2015, 05:30
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Ärztekammer drängt auf rasche Lösung - Brustkrebsambulanz musste zeitweise geschlossen werden

Wien - Krisenstimmung im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH). Bei einem inoffiziellen Treffen mit den Abteilungsleitern am vergangenen Freitag wurden diese Engpässe auf ihren Stationen beklagt, sagt Thomas Szekeres, Wiener Ärztekammerpräsident im STANDARD-Gespäch. Auch wenn die Hälfte der AKH-Ärzte dem Optout, also mehr Wochenstunden zu arbeiten als gesetzlich erlaubt, zugestimmt habe, gebe es Engpässe und lange Wartezeiten, vor allem bei Spezialambulanzen. Auf der Onkologie musste etwa die Brustkrebsambulanz zeitweise geschlossen werden.

Auf vier Wochen waren die Verhandlungen über ein neues Gehaltsmodell für die Ärzte AKH beschränkt, die Zeit drängt. Für Dienstag und Donnerstag sind weitere und voraussichtlich die letzten Termine zwischen Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Med-Uni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz, AKH-Betriebsrat, Ärztekammer und Gemeinde Wien vereinbart. Seit Jahresbeginn ist das Ärztearbeitszeitgesetz in Kraft, demnach ist die Arbeitszeit auf 48 Wochenstunden beschränkt, was Gehaltseinbußen für Ärzte bedeutete. "Wir haben bisher über alles Mögliche gesprochen, nur nicht über die Gehälter", fasst Szekeres den Verhandlungsstand zusammen. Bisher habe es kein Entgegenkommen vom Wissenschaftsministerium gegeben. Einziger Fixpunkt: Gibt es eine Anhebung der Gehälter, wird diese rückwirkend ab 1. Jänner gelten.

Martin Andreas, AKH-Betriebsrat, sieht die Verantwortung aber auch bei der Gemeinde Wien. Sie müsse mehr Ressourcen zur Verfügung stellen, damit das Pflegepersonal Ärzte bei administrativen Tätigkeiten, aber auch Blutabnahmen entlasten könne, wie es bereits in anderen Bundesländern der Fall ist.

Auch ist unklar, wie viel Geld das Wissenschaftsministerium zur Verfügung stellt. Ob das aus dem Globalbudget für die Unis kommt oder extra aufgestellt werde, sei für die AKH-Ärzte unwesentlich - Hauptsache es gibt mehr Budget.

Wettbewerbsfähige Gehälter

Mit Blick auf die Bundesländer hofft auch Szekeres auf eine Einigung. Es könne nicht sein, dass man selbst in Österreich überall mehr verdiene als im AKH. Das sei der falsche Weg, weil aus dem ganzen Land komplizierte Fälle im AKH behandelt werden. Es soll wieder ein attraktiver und begehrter Arbeitsplatz werden so wie in der Vergangenheit, als "jeder dort arbeiten wollte". Heute aber verdiene man schon in Niederösterreich bis zu 1000 Euro mehr. (Marie-Theres Egyed, DER STANDARD, 10.2.2015)

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