"Apotheon" im Test: Malerisches Action-Adventure lässt Antike auferstehen

10. Februar 2015, 14:21
58 Postings

Alientraps jüngstes Werk hat neben außergewöhnlicher Optik auch viel Spiel zu bieten

Spiele, die mit der Mythologie der griechischen oder römischen Antike liebäugeln, gibt es zuhauf; doch ein Spiel, das aussieht, als würde es auf einer der berühmten antiken Tonvasen mit ihren ikonischen schwarzen Figuren auf rotem oder andersfarbigem Grund stattfinden, gab es vor "Apotheon" noch nicht. Über vier Jahre arbeitete das kanadische Indie-Studio Alientrap Games an seinem Action-Adventure, das diese simple, aber ästhetisch extrem beeindruckende Idee stimmig in ein Spiel umsetzen sollte. Vor wenigen Tagen ist "Apotheon" endlich erschienen.

Natürlich fällt zuerst die Ästhetik ins Auge, und der einzigartige Grafikstil macht die action-reiche Reise in die antike Mythologie mühelos zu einem der optisch spannendsten Spiele nicht nur dieses Jahres. Jesse McGibney, Art Director bei Alientrap Games, hat dem GameStandard schon vor einiger Zeit Einblick in den kreativen Entstehungsprozess gewährt. "Die klassische griechische Keramik mit ihren klaren, schwarzen Silhouetten bot für uns den perfekten Stil. Es ist eigentlich überraschend, dass wir die Ersten sind, die diese klaren, ästhetischen Formen verwenden. Und es gibt noch so viel Potenzial: Die gesamte Kunstgeschichte, von der Höhlenmalerei bis zur modernen abstrakten Kunst, würde fantastische Settings für Spiele abgeben."

lee vermeulen
screenshot: apotheon

Beim Zeus!

Wer Bedenken hatte, dass sich "Apotheon" mit seiner außergewöhnlichen Optik begnügen würde, kann aufatmen: So beeindruckend und abwechslungsreich die Grafik auch den Stil antiker Kunst imitiert, so ist "Apotheon" dennoch auch ein mehr als solides Action-Adventure in der - ebenfalls klassischen - Tradition von sidescrollenden Klassikern wie "Metroid", "Legend of Zelda II" oder der "Castlevania"-Reihe. Als einsamer griechischer Held bewegt man sich frei durch eine sich verzweigende Welt, bekämpft unterschiedlichste Gegner und tüftelt hin und wieder auch an Puzzles.

Zweck des Abenteuers ist die Rache an Göttervater Zeus persönlich, doch bis dieses Ziel erreicht ist, machen Spielerinnen und Spieler im etwa 15 Stunden langen Spielverlauf Bekanntschaft mit vielen anderen Göttern und Monstern und durchqueren Hellas, den Olymp, die Unterwelt und zahllose weitere Orte aus der antiken Mythologie, die übrigens mit viel Liebe und Hintergrundwissen durchaus quellengetreu dargestellt wird.

screenshot: apotheon
screenshot: apotheon

Mit Kurzschwert und Langmut

Neben dem Erforschen der abwechslungsreichen, offenen Spielewelt spielt der Kampf eine zentrale Rolle in "Apotheon". Mit einer Vielzahl an Nah- und Fernkampfwaffen gilt es seine Gegner - menschlich, göttlich oder schlicht monströs - zu bezwingen. Die Endgegner stellen dabei ein weiteres Gameplay-Highlight dar. In seinen besten Momenten unterhält das Spiel durch rasante, genau zu timende Duelle, in denen durchaus auch Taktik bei der Wahl der Waffen oder der Vorgehensweise gefragt ist. So belohnt "Apotheon" auch vorsichtiges Schleichen oder zwingt seine Spieler dazu, das Terrain in seine Überlegungen miteinzubeziehen.

Bei der hier und in manchen Passagen nötigen Präzision der Steuerung schleichen sich jedoch im weiteren Spielverlauf manchmal auch Frustmomente ein: Bisweilen ungenaue Kollisionsabfrage, leicht träge Steuerung oder schlicht zu punktgenau anspringbare Plattformen können für Frustration sorgen. Insgesamt schmälern diese Detailmängel allerdings die Freude am mehr als soliden, an den Klassikern orientierten Gameplay nur wenig.

screenshot: apotheon
screenshot: apotheon

Moderner Klassiker

Die außergewöhnliche Optik wird durch atmosphärische Musik und - mit hörbarem Spaß eingesprochene - Sprachausgabe sowie Liebe zum Detail und zu seinem Thema noch untermauert. Nicht nur Freunde des "Metroidvania"-Genres finden in "Apotheon" einen sowohl optisch als auch spielerisch gelungenen modernen Klassiker, der seinen einzigartigen Style mit einer großen Portion mehr als solidem Gameplay rechtfertigen kann.

Art Director Jesse McGibney hat also schon damals nicht zu viel versprochen: "Etwas nur um der Andersartigkeit willen in einem 'anderen' Stil zu machen, bringt auch nichts. Viel wichtiger, als ein visuell 'anderes' Spiel zu machen, ist es doch, ein gutes Spiel zu machen." Mit "Apotheon" ist dies hervorragend gelungen. (Rainer Sigl, derStandard.at, 10.2.2015)

"Apotheon" ist für Windows, Mac, Linux und PS4 zum Preis von 14,99 Euro erschienen. PS Plus-Kunden erhalten den Titel im Februar kostenlos.

Links

Apotheon

Share if you care.