Scala: Pereira und Renzi auf Konfrontationskurs mit Gewerkschaften

9. Februar 2015, 15:08
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Streit um "Turandot"-Aufführung zur Expo-Eröffnung am 1. Mai

Mailand - Scala-Intendant Alexander Pereira und Italiens Premier Matteo Renzi gehen mit den einflussreichen Gewerkschaften des Mailänder Opernhauses auf Konfrontationskurs. Der Grund: Der linke Gewerkschaftsverband CGIL wehrt sich gegen Pereiras Plan, am 1. Mai - dem Tag der Arbeit und zugleich Eröffnungstag der Weltausstellung Expo 2015 in Mailand - Puccinis "Turandot" aufzuführen.

Mit der Aufführung am 1. Mai verstoße Pereira gegen das gesetzliche verankerte Recht der Belegschaft, am Tag der Arbeit nicht zu arbeiten, so der CGIL-Verband, dem ein Großteil der Orchestermitglieder und des Personals der Scala angehört. Die Gewerkschaft zeigte sich damit auch nach Appellen Pereiras unnachgiebig: Dieser hatte vor einem Monat die Gewerkschaften schriftlich um ihre Bereitschaft gebeten, am 1. Mai zu arbeiten. Die Aufführung sei angesichts des Expo-Beginns besonders wichtig, betonte Pereira.

Drei Millionen Euro investiert

"Turandot" unter dem Dirigat von Scala-Musikdirektor Riccardo Chailly und der Regie von Nikolaus Lehnhoff ist ein Highlight dieser Saison und der Beginn einer besonders intensiven Zeit für das Opernhaus. Vom 1. Mai bis 31. Oktober 2015 wird die Weltausstellung voraussichtlich rund 20 Millionen Besucher in die lombardische Hauptstadt führen und die Scala jeden Abend Aufführungen anbieten. Drei Millionen Euro hat das Opernhaus für Events in Zusammenhang mit der Expo investiert. "Die Scala wird anlässlich der Weltexpo ihr Bestes geben", versicherte Pereira kürzlich.

Der Streit um den 1. Mai erhitzt die Gemüter und beschäftigt jetzt auch Premier Renzi, der kürzlich eine bei der Linken stark umstrittene Arbeitsmarktreform im Parlament durchgesetzt hat und mit den Arbeitnehmerorganisationen seit Monaten auf Konfrontationskurs ist. "Wenn eine Minderheit denkt, eine wichtige Scala-Aufführung wie die zur Expo-Beginn geplante 'Turandot' im Namen eines unannehmbaren Boykottrechts zu verhindern, soll sie wissen, dass wir zu allem bereit sind. Wir werden alles tun, um Italien eine internationale Blamage ersparen", betonte der sozialdemokratische Premier, der wegen seines liberalen wirtschaftspolitischen Kurs bei der Linken stark umstritten ist.

Rückendeckung erhielt Renzi vom Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia, Präsident des Theaters. Das linke Stadtoberhaupt kritisierte die Gewerkschaften. "Der Erfolg der Expo wird neue Jobs in Mailand schaffen. Um diesen Aspekt sollten sich die Gewerkschaften kümmern", sagte der Bürgermeister. Kulturminister Dario Franceschini zeigt sich zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen wird. "Ich hoffe, dass ich am 1. Mai die Scala besuchen werde", sagte der Minister. (APA, 9.2.2015)

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