Gegendemonstrant von WKR-Ball 2014 womöglich zu Unrecht angeklagt

9. Februar 2015, 13:31
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Zum Tatzeitpunkt 17-Jähriger soll Polizisten geschlagen haben - Beamter erkannte ihn vor Gericht "nicht zu 100 Prozent" wieder

Wien - Ein Schüler, der am 27. Jänner 2014 an einer Gegendemonstration gegen den letztjährigen Wiener Akademikerball (WKR) teilgenommen hatte, hat sich heute, Montag, wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt im Straflandesgericht verantworten müssen. Der damals 17-Jährige soll einen Polizisten zunächst mit einer Transparent-Stange geschlagen und sich danach gegen seine Festnahme gewehrt haben.

Möglicherweise wurde allerdings der Falsche zur Anklage gebracht. Der mittlerweile 18-Jährige versicherte zunächst in seiner Einvernahme, er habe im Bereich Löwelstraße-Burgtheater kein Transparent getragen und weder eine Holzstange in Händen gehalten noch damit auf einen Beamten eingeschlagen. Es habe tumultartige Szenen gegeben, er sei plötzlich von einem Polizisten zu Boden geworfen, fixiert und festgenommen worden.

Mehrere Zeugen bestätigten diese Darstellung. Andere Demonstranten hätten die Exekutive mit Dosen und Flaschen beworfen, auch Knaller und bengalische Feuer gezündet. Der Angeklagte habe damit aber nichts zu tun gehabt und sich nichts zuschulden kommen lassen. Dennoch habe ihn die Polizei "gepackt und aus heiterem Himmel zu Boden geschmissen, geworfen, was auch immer", so ein Augenzeuge.

"Verwechslung"

"Es kann sich nur um eine Verwechslung handeln", mutmaßte Ernst Schillhammer, der Verteidiger des 18-Jährigen, in Bezug auf den Strafantrag. Der Zeugenaufritt des Beamten, gegen den der Bursch vorgegangen sein soll, deutete dann tatsächlich in diese Richtung. Der 37 Jahre alte Beamte erklärte nämlich, er erkenne in dem Angeklagten "nicht zu 100 Prozent" den Angreifer wieder. Er habe damals mit zahlreichen anderen Kollegen hinter dem Burgtheater eine Sperrkette gebildet. Eine "Menschenmasse" habe dagegen angedrückt: "Teilweise sind sie durchgelaufen."

Jemand habe ihm mit einer Stange auf den Unterarm gehaut: "Aufgrund der Schutzausrüstung habe ich keinen Schmerz gehabt." Reflexartig habe er dennoch nach der Stange gegriffen und dabei den Arm des Angeklagten zu fassen gekriegt. Es sei mit diesem zu einer "Rangelei" gekommen, ein zweiter Kollege habe ihn "schützend" unterstützt: "Wir haben ihn am Boden abgelegt und mit einem Oberarm-Streckhebel fixiert."

Auf Nachfrage von Richterin Michaela Röggla-Weiss räumte der Polizist ein, seine Sicht sei während der Amtshandlung aufgrund des Schutzhelms getrübt gewesen: "Das Visier war angelaufen. Das passiert bei solchen Einsätzen. Aufgrund der Menschenmasse war es leicht beschlagen."

Der Bursch habe eine Stange bei sich gehabt, insistierte der Beamte: "Bei ihm war eine Holzstange. Er hatte eine in der Hand." Belegen lässt sich das insofern nicht, als die angebliche Tatwaffe nicht sichergestellt wurde. "Die war dann weg", berichtete der Polizist. Eine Sicherstellung sei "normalerweise üblich, aufgrund der Menschenmasse kann das aber relativ rasch verschwinden". (APA, 9.2.2015)

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