Griechen heben ihr Erspartes ab

9. Februar 2015, 21:14
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Einlagen bei Griechenlands Banken auf niedrigstem Stand seit 2012 - Einlagen bei Banken sinken auf 147 Milliarden Euro

Die Verunsicherung in Griechenland wird immer größer. Die Bürger retten ihr Geld und ziehen dieses von den Banken ab. Die Geldeinlagen der Griechen sind nach Angaben aus der Bankenbranche in Athen mit 147 Milliarden Euro auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise gesunken. Aus Angst vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage hätten zahlreiche Unternehmen und Bürger ihre Geldeinlagen auf das geringste notwendige Maß verringert, hieß es. Griechische Bankkunden hatten im Dezember und Jänner etwa 16 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben. Der bisher niedrigste Stand der Geldeinlagen war im Juni 2012 mit etwa 150 Mrd. Euro, hieß es.

Auslöser der Kapitalflucht ist der Streit der griechischen Regierung mit der EU bezüglich der Schuldenpolitik Athens. Der neue griechische Ministerpräsident, Alexis Tsipras, hat bei der Vorstellung seines Regierungsprogramms am Sonntag seine Abkehr vom Sparkurs bekräftigt. Trotz Widerstands der Gläubiger hält Tsipras daran fest, aus dem bisherigen Hilfsprogramm auszusteigen und stattdessen mithilfe einer Überbrückungsfinanzierung eine neue Lösung der Schuldenkrise auszuhandeln.

Die Reaktion an den Märkten: Die Börsen setzen ihre Talfahrt fort. Der Leitindex Athens 20 verlor am Montag in der Spitze um bis zu sechs Prozent. Auch die griechischen Staatsanleihen kommen immer stärker unter Druck. Die Anleihenkurse fielen am Montag weiter zurück, im Gegenzug stiegen die Renditen, die Anleger als Risikoausgleich fordern.

Neue Höchstmarke

Zehnjährige Staatsanleihen rentierten am Montag zeitweise mit 10,42 Prozent. Das waren 0,65 Punkte mehr als am Freitag. Die Rendite fünfjähriger Staatstitel stieg noch kräftiger um gut zwei Prozentpunkte auf 15,7 Prozent. Bei dreijährigen Bonds stieg die Rendite erstmals seit ihrer Emission über die Marke von 20 Prozent und rentierten bei 21,111 Prozent. Renditen in diesen Höhen gelten als nicht mehr tragbar für Staaten und spiegeln den Vertrauensverlust der Anleger wider.

Zum Vergleich: Die Rendite deutscher zehnjähriger Staatsanleihen lag am Montag im Handelsverlauf bei 0,33 Prozent. Zudem erhöhten sich die Prämien für Ausfallversicherungen auf griechische Anleihen (Credit Default Swaps, CDS).

Mit Tsipras' Rede sei zudem die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone von 35 auf 50 Prozent gestiegen, sagte Gary Jenkins, Chef-Anleihestratege von LNG Capital. Ohne Auszahlung weiterer Hilfen drohe Athen der baldige Bankrott.

In Europa schlägt das Wellen, die es 2012 schon einmal gab. So spielt etwa Großbritannien erneut den Austritt Griechenlands aus der Eurozone durch. Regierungschef David Cameron beriet mit Spitzenvertretern des Finanzministeriums und der britischen Notenbank über die Folgen eines "Grexits". Es gehe darum, Risiken einer Ansteckungsgefahr abzuschätzen, sagte ein Sprecher.

Griechenland muss als Gegenleistung für Finanzhilfen von rund 230 Milliarden Euro Spar- und Reformauflagen erfüllen, hat aber die Zusammenarbeit mit der Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds aufgekündigt. Deswegen können weitere Hilfen in der Höhe von 7,2 Milliarden Euro nicht ausgezahlt werden. Die Regierung will nun von den Partnern die Genehmigung, mehr kurzfristige Schuldpapiere auszugeben. Bisher liegt die Schwelle bei 15 Milliarden Euro. Athen muss in den kommenden Monaten unter anderem Milliardenkredite des IWF zurückzahlen.

Der Schuldenstreit wird am Mittwoch in einer Sondersitzung der Eurofinanzminister sowie beim EU-Gipfel einen Tag später zentrales Thema sein. Bis dahin werden von der neuen griechischen Regierung Vorschläge erwarten. (Reuters, bpf, DER STANDARD, 10.2.2015)

  • Wolken tun sich auf über Griechenland. Den griechischen Banken geht das Geld aus, Bankkunden ziehen ihre Gelder ab.
    foto: epa/vlachos

    Wolken tun sich auf über Griechenland. Den griechischen Banken geht das Geld aus, Bankkunden ziehen ihre Gelder ab.

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