"Tatort" aus Konstanz: Formvollendete Schillerlocken

Ansichtssache8. Februar 2015, 19:19
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Annette von Droste-Hülshoff ist nicht nur eine bedeutende Dichterin - für sehr viele Menschen ist diese Frau auf ewig und untrennbar mit dem Gedanken an Geld verbunden. Das Konterfei der Droste zierte in den goldenen Vor-Euro-Zeiten den Zwanzig-Mark-Schein.

foto: orf/ard/peter hollenbach

Dieses sorglose Zeitalter ist vorbei, aber immer noch bringt man die arme Frau mit dem Mammon in Verbindung. Im Konstanzer "Tatort": Chateau Mort nämlich geht es um die Rotweinflaschen, in denen sich der (niemals getrunkene, da faktisch niemals existente) Hochzeitswein der Annette von Droste-Hülshoff befindet.

Diese Flaschen dienen als Wertanlage für Steuersünder, und sie kosten einen jungen Mann das Leben. Motiv: klarerweise Geldgier. Die Schweiz scheint in Fernsehkrimis nur noch bedingt für Gewaltdelikte gut zu sein - der Mord findet auf der deutschen Seite statt, die Schweizer kriegen die Steuersünder.

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Die krude, halbfiktive Weingeschichte ist aber noch nicht alles. Rückblenden zeigen die revolutionären Wirren im Jahr 1848, die Droste irrt mit formvollendeten Schillerlocken durch den Trubel und ruft nach ihrem Levin, der doch den Wein für die gemeinsame Hochzeit hätte holen sollen. Später findet ein Mord statt, dessen Opfer Perlmann im Jahr 2015 hinter einem defekten Automaten in einem Parkhaus findet. Noch Fragen?


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Mitglieder der bildungsfernen Schichten dürfen in diesem ZDF-History-Krimi auf die Frage nach der Droste "Kenn ich nich'" ranzen, Kommissarin Blum nickt selig beim Aufzählen historischer Fakten. "Ja, das ist bekannt." Eben. Genau deswegen braucht ein TV-Krimi nicht mit der Geschichte Doku-Fiction-Schindluder treiben. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 9.2.2015)

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"Ein passabel angeschickerter ,Tatort'", freut sich Christian Buß auf spiegel.de.

"Es gibt hier aber einfach viel zu viel Klamottiges und Klischeehaftes. Gute Arme, fiese Reiche, involvierte Vorgesetzte, dazu reichlich "In vino veritas": Mit Spannung hat das nichts am Heckerhut.", urteilt Oliver Jungen auf faz.net.

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