Religionsdiskussion: Die Verösterreicherung des Islam

8. Februar 2015, 16:42
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Ednan Aslan, islamischer Religionsprofessor aus Wien, war unlängst in Mattersburg, der burgenländischen Stadt mit der größten muslimischen Gemeinde. Eindringlich plädierte er dort dafür, den Islam als etwas Heimisches endlich auch in die Pflicht zu nehmen

Mattersburg - Während allerorts und allenthalben die Islamisierung des Abendlandes herbeigefürchtet wird, hat man sich in Mattersburg unlängst übers Gegenteil unterhalten: die längst überfällige Abendlandisierung des Islam.

Der umtriebige - sozusagen ganz Mattersburg bespielende - Stadtpfarrer Günther Kroiss hatte dazu Ednan Aslan eingeladen, den einschlägig predigenden Wiener Professor für islamische Religionspädagogik. Unter dem Titel "Den Islam europäisch prägen" diskutierte der Mitgestalter des neuen Islamgesetzes mit dem Eisenstädter Religionspädagogen Harald Mandl.

Hundert Gäste, aber keine Muslime

Mehr als hundert Interessierte waren gekommen, um mitzudiskutieren oder jedenfalls zu lauschen. Niemand freilich, wie Bürgermeisterin Ingrid Salamon ein wenig konsterniert konstatierte, niemand aus der hauptsächlich türkischstämmigen islamischen Gemeinde.

Die zählt ungefähr 500 Menschen. Und ist damit genauso groß wie einst das jüdische Ghetto. Ein Umstand, der niemandem entgangen ist, am wenigsten dem Pfarrer, dessen Jugendbeschäftigungs-Café "Savio" im einzig unversehrten jüdischen Gebäude, dem des Talmud-Vereins, untergebracht ist.

Islamische Geldgeber

Ednan Aslan plädierte eindringlich dafür, dem Islam - den es in dieser pauschalierenden Form genauso wenig gebe wie "das Christentum" - endlich ein europäisches Gesicht zu geben. Seit den Nullerjahren sei er quasi von Pontius zu Pilatus gelaufen, um sich diesbezüglich den Mund trocken zu reden. "2007 hat man mir im Ministerium gesagt, wegen eines islamischen Lehrstuhls an der Uni sollte ich mich doch um islamische Geldgeber bemühen." Etwas, das mit dem neuen Islamgesetz ausgeschlossen werden soll. Nicht, dass etwa in der Türkei ausgebildete Imame schlechter wären. "Aber das sind eben für türkische Verhältnisse ausgebildete Lehrer. Wir brauchen aber welche für die hiesigen Verhältnisse."

Bis jetzt hat man in Europa den Islam als eine ausländische Angelegenheit betrachtet, um die man sich nicht zu kümmern habe. Erst in den vergangenen Jahren sei begonnen worden, ihn auch als hiesiges Phänomen wahrzunehmen. Durch eine Europäisierung der Lehre erwartet sich Aslan aber auch Rückwirkungen auf die arabische und vor allem türkische Theologie.

Autochthonisierung des Islam

Eine solche Autochthonisierung des Islam wäre auch in einer anderen Hinsicht wünschenswert. Hätte man früher die Menschen ethnisch wahrgenommen - als Türken in der Mehrzahl -, sehe man sie nunmehr hauptsächlich als Muslime. "Dauernd nur als Moslem wahrgenommen zu werden", sagt der geborene Türke Ednan Aslan, immerhin Religionspädagoge, "tut weh. Die Menschen sind ja nicht von Beruf Muslime."

Eine Autochthonisierung der Religionspädagogik könnte eine Möglichkeit sein, der Entfremdung zu entgegnen. "Denn wir müssen aufpassen, dass die Jungen nicht die Freude an der Gesellschaft verlieren." Etwas, soweit ist man sich im Mattersburger Publikum schnell einig, das nicht nur für muslimische Jugendliche gilt. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 9.2.2015)

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