Kerns größte Niederlage: WLAN im Zug

Blog8. Februar 2015, 18:24
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Ein Bahnchef, der seinen Kunden keine funktionierende Internetverbindung bieten kann, ist doch kein so toller Manager

Wenn Christian Kern für manche Sozialdemokraten als Kanzlerreserve gilt, dann wegen seiner Erfolge als ÖBB-Chef. Und tatsächlich haben sich die Bundesbahnen unter seiner Führung deutlich verbessert, vor allem auf der Weststrecke.

Aber im ÖBB-Angebot gibt es eine Schwachstelle, die so offensichtlich und peinlich ist, dass man sich fragen muss, warum der Chef das zulässt. Das ist das WLAN.

Ende 2011 hat die ÖBB begonnen, auf ihren hochmodernen Railjet-Zügen Gratis-WLAN anzubieten. Inzwischen gibt es WLAN auf all diesen Zügen – und damit wird auch laut geworben.

Gratis, aber unbrauchbar

Ja, das WLAN ist wirklich gratis, und die Verbindung mit einem Smartphone, Tablet oder Notebook herzustellen ist kein Problem. Aber es funktioniert nicht.

Nicht nur, dass es schlecht läuft, sondern praktisch überhaupt nicht. Dort, wo gerade gute 3G-Verbindungen verfügbar sind, kann man über WLAN mühsam ein paar Webseiten aufrufen. In schlechter versorgten Gebieten kommt gar keine Verbindung zum Internet zustande.

Und auf dem Korridor übers deutsche Eck, wo sich jeder mit österreichischem Handy-Vertrag dringend eine WLAN-Verbindung wünscht, schaltet es sich überhaupt ab.

Und auf jeder Reise auf jedem Abschnitt ist ein Smartphone-Besitzer mit der Datenverbindung über Mobilfunk immer besser dran als mit dem ÖBB-WLAN.

Im Flugzeug ist es möglich

Für ein Unternehmen, das sich modern und kundenfreundlich gibt, ist das ein unglaubliches Fiasko – eines, das bereits drei Jahre lang anhält. Es stimmt, WLAN-Verbindungen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind schwierig. Aber wenn es Fluglinien auf 10.000 Meter Seehöhe schaffen, dann müsste das auch bei der ÖBB möglich sein.

Warum hat Kern nicht schon vor zwei Jahren seine Techniker zusammengerufen und sie ultimativ aufgefordert, eine Lösung zu finden? Wie kann er eine so offensichtliche, dem Image so schädliche Schwachstelle tolerieren? Was sagt das über ihn als Konzernmanager aus?

Ich traue Kern Einiges zu. Aber wenn er das WLAN-Problem auf seinen modernsten Zügen nicht lösen kann, dann wird er wohl auch an den politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen Österreichs scheitern.

Wenn bei meiner nächsten Fahrt mit der ÖBB das WLAN funktioniert, hätte ich mehr Vertrauen in die politische Zukunft des Bahnchefs. (Eric Frey, derStandard.at, 8.2.2015)

  • Christian Kern, derzeit ÖBB-Chef.
    foto: apa/herbert neubauer

    Christian Kern, derzeit ÖBB-Chef.

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