Weltmeister, das sind die anderen

8. Februar 2015, 16:12
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Dass Österreichs Hockey-Herren im WM-Finale von Leipzig 2:3 gegen die Niederlande verloren, war fast ein Kunststück

Wien/Leipzig - Österreich hat es verpasst, sich Weltmeister im Hallenhockey nennen zu dürfen. In einer hektisch geführten Finalpartie retten die Niederlande vor knapp 6.000 Zuschauern einen 3:2-Sieg über die Zeit und holen sich ebenso wie bei den Damen den Titel bei der Weltmeisterschaft in Leipzig. Österreichs Damen hingegen haben ihre erste Medaille der Hallen-WM-Geschichte knapp verpasst. Im Spiel um Platz drei setzte es erst im Shootout ein 0:2 gegen Tschechien.

Nun ja, es war nicht unbedingt der Nachmittag des österreichischen Hockeys. Die Niederländer riegelten ihr Tor rigoros ab und verwerteten ihre wenigen Chancen gnadenlos.

Hallenhockey, das ist wie Schach spielen, nur mit Schläger. Es wird gewaltig taktiert, der Kunststoffball wird durch die eigenen Reihen verschoben, dass es eine Freude ist. Torchancen sind aber nicht unbedingt Mangelware. Wenn man im Kopf hell wach ist.

Die Niederländer legten prompt vor, ein scharfer Schlenzer nach einer kurzen Ecke, der mit viel Bumms unter die rot-weiß-rote Latte bugsiert wurde, bedeutete gar einen 0:2-Rückstand. Österreich? Eher geschockt. Die erste Ecke gab es erst kurz vor der Pause, man lief tief gebückt, wie das beim Hockey halt so ist, dem ersehnten Anschlusstor hinterher.

Die Uhr tickt

Das gelang dann doch noch kurz vor der Halbzeit. Österreichs bis dato durchs Turnier paradierender Sturm in Person von Benjamin Stanzl und Michael Körper war total abgemeldet.

Nach der Pause wurde dann gleich kräftig kalt geduscht, die Niederländer nützten einen Fehler in Österreichs Verteidigung, nach einem Gestocher rollte der Ball ins Netz. Österreich reagierte, wechselte den Torwart aus und brachte mit Xaver Hasun einen fünften Feldspieler, der als Mann für alle Fälle auch das eigene Gehäuse irgendwie absichern sollte.

Die Zeit läuft nicht nur im Leben gnadenlos weiter, sondern auch im Hockey. Österreich vergab weitere Chancen am Stück, roch aber vier Minuten vor Schluss doch noch einmal zu Oranje hin: 2:3. Ein niederländischer Verteidiger lieferte sich einen wahnwitzigen Fauxpas, ließ sich den Ball direkt an der Torlinie stibitzen.

Letzte Chance

Die Schlussphase war durchaus dramatisch, Österreich wehrte eine niederländische Ecke mit Schläger und Körper ab, da hätten die Schiedsrichter auch Siebenmeter für Oranje geben können.

Mit Ablauf der Uhr hatte Österreich eine letzte Ecke. Alles oder nichts. Einmal noch die Frucht aufs Tor gedroschen. Der niederländische Keeper hielt. Sirene. Aus.

Trotz verpassten Golds ist es der größte WM-Erfolg für den österreichischen Hockey-Verband, 2011 in Poznan (Polen) hatte es mit Bronze die bisher einzige Medaille gegeben.

Für Stürmer Michael Körper war das "bitter, enttäuschend. Uns hat auch das Glück gefehlt. Da waren viele enge Situationen vor dem Tor. Wir müssen das jetzt abhaken. Irgendwann werden wir stolz sein darauf, so ein Turnier gespielt zu haben." (Florian Vetter, derStandard.at, 8.2.2015)

Hallen-Hockey-WM in Leipzig vom Sonntag:

Herren:

Finale:
Niederlande - Österreich 3:2 (2:1).

Tore: Kellermann (6.), Tigges (14.), Van de Peppel (23.) bzw. Uher (20.), Eitenberger (36.)

Spiel um Platz 3:
Deutschland - Iran 13:2 (5:2)

Damen:

Finale:
Niederlande - Deutschland 2:1 n.P., (1:1;0:1)

Spiel um Platz 3:
Tschechien - Österreich 2:0 i.P. (0:0)

  • Österreich ließ eine große Chance liegen.
    ffu press agency/frank uijlenbroek

    Österreich ließ eine große Chance liegen.

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