Wiesberger in einer neuen Dimension

8. Februar 2015, 10:20
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Rang fünf im "Race to Dubai", Vorstoß in die Top 40 der Welt, gute Chancen auf die Teilnahme an allen vier Majors, Verärgerung über einen zweiten Platz - Bernd Wiesberger setzt für Österreichs Golf neue Maßstäbe. Markus Brier freut sich mit, er hält "alles " für möglich

Kuala Lumpur / Wien - Wenn man es positiv sieht, so hat Bernd Wiesberger am Sonntag in Kuala Lumpur sein viertes Top-6-Ergebnis binnen vier Wochen geschafft. Der zweite Platz bei den Malaysian Open war der Höhepunkt einer Serie, die es im österreichischen Golfsport noch nicht gegeben hatte. Wiesberger (29), zuvor auf den Plätzen sechs (Abu Dhabi), drei (Katar) und vier (Dubai), hat allein am Sonntag 293.195 Euro und in dieser Saison schon 577.152 Euro verdient, im sogenannten Race to Dubai, der Wertung der European Tour, bedeutet das den sensationellen fünften Platz.

In der Weltrangliste ist der Burgenländer unter die Top 40 vorgestoßen, das bringt wohl mit sich, dass er sich für etliche hochdotierte Turniere auch in den USA qualifiziert hat. Man kann davon ausgehen, dass er heuer bei allen vier Major-Turnieren am Abschlag stehen wird, auch und zunächst beim berühmten US Masters in Augusta (ab 9. April), an dem noch nie ein Österreicher teilnahm. Wiesberger ist in diese, eine neue Dimension vorgestoßen.

Der Oberwarter selbst hatte am Sonntag mit der positiven Sicht der etwas Mühe. Schließlich hatte er in Kuala Lumpur eine große Chance auf seinen dritten Toursieg vergeben. Nach einer 63er-Runde mit zwei Schlägen Vorsprung ins Finale gestartet, musste er im Finale bei drei Birdies ein Doppelbogey und drei Bogeys hinnehmen. Mit 74 Schlägen spielte Wiesberger erstmals seit 20 Runden über Par, ein einziger Schlag fehlte ihm letztlich auf den indischen Sieger Anirban Lahiri, der am Sonntag sechs Schläge weniger benötigte. "Ich hab heute einfach nicht gut genug gespielt", hielt Wiesberger fest und gab zu, "enttäuscht" zu sein. Er sei aber überzeugt, "bald einen Sieg feiern zu können".

"Top 20 auf dem Schläger"

Auch Markus Brier, quasi Wiesbergers Vorgänger als bester heimischer Golfer, traut seinem Kollegen "heuer noch sehr viel zu". Brier (46) hat Wiesbergers Werdegang über einige Saisonen, die sie gemeinsam bestritten, aus nächster Nähe verfolgt, die Erfolge überraschen ihn nicht. "Er hat sich kontinuierlich, von Jahr zu Jahr, gesteigert." Das schließt laut Brier auch jene Saisonen mit ein, da Wiesberger aus der European Tour wieder in die Challenge Tour abstieg und sich neuerlich hinaufarbeiten musste. "Da hat er gesehen, worauf es ankommt und dass sein Talent, so groß es auch ist, allein nicht reicht." Zuletzt hat Wiesberger laut Brier "beim Putten viel weitergebracht, das ist offensichtlich. Und der eine Putt weniger pro Runde kann natürlich den entscheidenden Unterschied ausmachen."

Im November 2013 ist Brier, der zwei Turniere auf der Tour gewann, als Playing Pro zurückgetreten. Nun ist er als Players Coach für den heimischen Verband tätig, er kümmert sich um die besten Amateure und einige junge Pros. Natürlich hofft er, dass sich viele an Wiesberger orientieren können oder zumindest wollen.

Die Gemeinde von Fans, die beispielsweise mitten in der Nacht aufstehen, um einen in Asien golfenden Österreicher im TV zu verfolgen, ist zuletzt jedenfalls größer geworden. Gut möglich, dass jene Fans künftig des Öfteren einfach länger aufbleiben müssen. Brier geht davon aus, dass man Wiesberger "in Europa heuer etwas seltener sehen wird". Schließlich sind die US-Turniere höher dotiert und auch sportlich wertvoller, etliche zählen auch fürs europäische Race to Dubai, voran natürlich das Masters und die US Open. Wiesbergers Plan, nach drei oder spätestens vier Turnieren en suite stets eine Regenerationspause einzulegen, hält Brier für äußerst klug. "Auf diesem Niveau solltest du keine dreißig Turniere im Jahr spielen, das hältst du mental nicht durch."

Bernd Wiesberger hat, mit dieser Meinung steht Brier nicht alleine da, "bald die Top 20 der Welt auf dem Schläger" und "noch mindestens zehn gute Jahre vor sich". Möglich sei "jetzt alles, natürlich auch eine Ryder-Cup-Teilnahme". Wiesbergers Malaysia-Ärger werde sehr rasch verfliegen, die vier Spitzenresultate seien eine große Bestätigung. Brier sieht es positiv. "Beim Bernd geht's nicht ums Dabeisein", sagt er, "sondern ums Ganzvornedabeisein." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 9.2.2015)

Malaysian Open in Kuala Lumpur, Endstand nach der 4. Runde : 1. Anirban Lahiri (IND) 272 (70+72+62+68) - 2. Bernd Wiesberger (AUT) 273 (70+66+63+74) - 2. Alejandro Canizares (ESP) 275 (68+65+68+74) und Paul Waring (ENG) 275 (69+68+65+73)

  • Bernd Wiesbergers Enttäuschung über den zweiten Platz bei den Malaysian Open, der ihm 293.195 Euro bescherte und ihn auf den fünften Platz im "Race to Dubai" katapultierte, sollte bald verfliegen. Nicht zuletzt dürfte die Teilnahme am US Masters in Augusta abgesichert sein.
    foto: ap/paul

    Bernd Wiesbergers Enttäuschung über den zweiten Platz bei den Malaysian Open, der ihm 293.195 Euro bescherte und ihn auf den fünften Platz im "Race to Dubai" katapultierte, sollte bald verfliegen. Nicht zuletzt dürfte die Teilnahme am US Masters in Augusta abgesichert sein.

  • Markus Brier über Wiesberger: "Er hat die Top 20 auf dem Schläger."
    foto: apa/punz

    Markus Brier über Wiesberger: "Er hat die Top 20 auf dem Schläger."

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