Mindestens 34 Tote bei drei Anschlägen in Bagdad

7. Februar 2015, 13:56
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Die Gewaltakte kommen kurz vor Aufhebung der Ausgangssperre - Yeziden-Massengrab entdeckt

Bagdad - Bei drei Anschlägen in Bagdad sind am Samstag mindestens 34 Menschen getötet und über 50 verletzt worden. Der erste Sprengsatz sei im Schiiten-Viertel Neu-Bagdad explodiert, erklärten die Sicherheitsbehörden in der irakischen Hauptstadt. Allein dabei seien 22 Menschen getötet worden.

Ziel der zweiten Attacke sei der Marktbezirk Scharka gewesen. Dort habe es zehn Tote gegeben. Zudem seien durch eine Bombe im schiitischen Teil des Stadtbezirks Dura zwei Menschen getötet und sieben verletzt worden.

Ausgangssperre aufgehoben

Die Regierung hatte für Mitternacht die Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre für die Stadt angekündigt, die in der einen oder anderen Form seit der US-geführten Invasion 2003 besteht. Die jetzige Sperre von Mitternacht bis 05.00 Uhr wurde vor mehr als sieben Jahren verhängt. Die Regierung will mit der Aufhebung zu einer Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens beitragen und signalisieren, dass die Gefahr durch die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) in Bagdad gebannt ist.

Mossul wird bombardiert

In Norden des Landes hat die internationale Anti-Terror-Koalition nach kurdischen Angaben mit einem massiven Bombardement der Stadt Mossul begonnen. Wie das Nachrichtenportal Rudaw am Samstag unter Berufung auf einen Vertreter der kurdische Peshmerga-Armee berichtete, begann die Jihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) mit Evakuierungen aus dem Stadtzentrum. Die Extremisten hatten die Millionenstadt im Nordirak im Juni des vergangenen Jahres erobert.

Massengrab von Yeziden entdeckt

Im Nordirak ist zudem erneut ein Massengrab mit Gebeinen von mehr als 20 Yeziden gefunden worden, die vermutlich von der Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) getötet wurden. Wie ein Sprecher der kurdischen Regionalregierung am Samstag mitteilte, wurde das Massengrab in der Nähe des Dorfes Bardiyan am Freitag geöffnet, nachdem ein Anwohner die Behörden alarmiert hatte.

Gefunden wurden demnach die Leichen von 23 Männern. Sie wurden den Angaben zufolge erschossen, einige von ihnen hatten die Hände gefesselt.

Kurdische Peschmerga-Kämpfer hatten erst vor knapp einer Woche in der Provinz Ninive weiter südlich ein Massengrab mit rund 25 Leichen entdeckt. Nach Angaben des Regierungssprechers wird ein weiteres Massengrab mit dutzenden Leichen in der Region Hardan vermutet.

Kirche gesprengt

Wie am Samstag bekannt wurde, haben die IS auch eine der ältesten chaldäisch-katholischen Kirchen des Landes gesprengt. Die "Kirche der Jungfrau Maria" sei bereits am 2. Februar zerstört worden, berichtete der katholische Nachrichtendienst "AsiaNews" am Samstag laut Kathpress unter Berufung auf Sicherheitskräfte aus der Region Ninive.

Wegen der schwierigen Kommunikation mit dem von der IS-Miliz gehaltenen Mossul wurde die Tat aber erst jetzt bekannt. Die Islamisten hatten das christliche Gotteshaus bereits in den vergangenen Monaten geplündert. Schon kurz nach der Einnahme Mossuls war die am Kirchturm angebrachte Marienstatue enthauptet worden. Nun haben die Extremisten nach Angaben lokaler Zeugen die Kirchenmauern mit Sprengstoff zur Explosion gebracht, wodurch auch mehrere Nebengebäude zerstört wurden.

Die christliche Bevölkerung Mossuls ist bereits im vergangenen Jahr zu Zehntausenden aus der Stadt und dem Umland geflohen. Erst vor wenigen Tagen hatte der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Emil Shimoun Nona, den Irak verlassen und auf Wunsch des Papstes die Leitung einer Eparchie in Australien übernommen. Die Terroristen hatten seine Residenz zu ihrem "Hauptquartier" degradiert. Nona betreute seine Diözese nach eigenen Angaben nur noch vom Auto aus. Sein Vorgänger Paulos Faraj Rahho war 2008 entführt und ermordet worden.

In Bagdad tagte derweil am Samstag eine Sondersynode der chaldäisch-katholischen Kirche, die Patriarch Mar Louis Raphael I. Sako einberufen hat. Die beiden Zentralthemen des Treffens sind das Verhältnis zwischen Mutterkirche und weltweiter Diaspora und die Einheit der Christen angesichts der Bedrohung durch den islamistischen Terror. (APA, 7.2.2015)

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