Chinas Hans im Glück muss um sein Gold zittern

6. Februar 2015, 18:28
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Hirte fand riesigen Klumpen, der ihm aber von den Behörden wieder weggenommen werden könnte

Ein "Hundekopf" macht in China Furore. In der Provinz Xinjiang kurz vor der Grenze zur Äußeren Mongolei klaubte ihn der Viehzüchter Berek Sawut vom Boden tief in den Altai-Bergen auf. Seither treibt viele Chinesen die Frage um, wer die Besitzrechte auf den "Hundekopf" geltend machen darf: der Staat, die Lokalregierung oder doch der Kasache Sawut, der ihn gefunden hat?

Am Freitag schaltete sich die Tageszeitung Beijing News in die Debatte ein: "Der Hirte soll ihn behalten dürfen." Es gebe keine gesetzliche Handhabe, ihm das Stück wegzunehmen. Falls er es aber von sich aus übergibt, sollten sie ihm wenigstens eine anständige Entschädigung zahlen.

Der goldene Hundekopf

So viel Aufregung um einen "Goutou", wie Hundekopf auf Chinesisch heißt? Des Rätsels Lösung: Goutou werden besonders große Goldnuggets genannt, oder manchmal auch "Mati" (Pferdehufe), wenn die Klumpen so ähnlich aussehen. Aufsehen erregte 2010 ein 1,84 Kilogramm schwerer Goldbrocken. Dieser Fund veranlasste Sawut erst, sich mit einem Kompagnon auf die mühsame Goldsuche einzulassen. Der Viehzüchter war schließlich am 30. Jänner spazieren gegangen, als er plötzlich seinGlück aus dem Boden ragen sah. Die Altai-Bergregion, deren Name im Mongolischen "Gold" bedeutet, ist seit vielen Jahrhunderten für ihre reichen Edelmetallvorräte bekannt. Noch nie aber war ein Klumpen so gewaltig gewesen.

Sawut rief seine Familie zu Hilfe, gemeinsam schleppten sie das 23 Zentimeter lange, 18 Zentimeter breite und bis zu acht Zentimeter dicke Naturgold nach Hause. Experten schätzen den Reinheitsgrad des 7,95 Kilogramm schweren Brockens auf 80 Prozent, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, die den Preis auf etwa 1,6 Millionen Yuan (fast 220.000 Euro) bezifferte. Auf einer Auktion würde das goldene Stück aber vermutlich noch mehr einbringen und sogar Rekorde brechen, da es, wie Xinhua schrieb, in seinen Umrissen der Form Chinas ähnelt.

Im Zentrum der öffentlichen Debatte bleibt aber die Frage, ob Sawut den Goldklumpen behalten darf. Zeitungen erinnern an den Fall des Arbeiters Li Lei in der Provinz Shaanxi. Im Oktober 2014 entdeckte der Baggerfahrer ein in Lehmerde steckendes, 3000 Jahre altes Schwert. Brav gab er es dem Kulturamt ab, erhielt eine lobende Urkunde und umgerechnet 65 Euro Finderlohn. "Wie schäbig", schimpfte die Internetgemeinde.

Unklare Gesetzeslage

Die Behörden waren aber im Recht. Gefundene antike Kulturgüter gehören dem Staat, ebenso wie Ressourcen in den Bergwerken oder entdeckte Schätze, deren Herkunft nicht klar ist. Das regelnChinas Gesetze. Doch keines trifft auf die im Boden steckenden Nuggets zu, die zu keinem Bergwerk gehören. Weder der Staat noch die örtlichen Ämter sollten sie daher beschlagnahmen dürfen, schriebBeijing News.

Die Behörden haben sich zu diesem Fall noch nicht geäußert. Sawut deponierte unterdessen den Goldklumpen bei einer lokalen Bank, meldete die Regionalzeitung Xiandai Kuaibao. Der "Hundekopf" liegt sicher im Safe - vorerst. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 7.2.2015)

  • Dieser 7,95 Kilogramm schwere Goldbrocken wurde von einem Hirten in China gefunden. Ob er ihn behalten darf, wird sich noch zeigen.
    foto: chinanews

    Dieser 7,95 Kilogramm schwere Goldbrocken wurde von einem Hirten in China gefunden. Ob er ihn behalten darf, wird sich noch zeigen.

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