"First Person Lover": Mit Teddy-Granaten gegen Hass und Homophobie kämpfen

9. Februar 2015, 09:23
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Gratisgame von Björn Borg glänzt mit allerlei Anspielungen

Es ist noch nicht lange her, da sorgte das Spielprojekt "Hatred" für Aufregung und Diskussionen. Der Titel versetzt den Spieler in die Rolle eines Amokläufers und belohnt ihn für das Töten von Zivilisten. Mitte Dezember wurde das Game von Steams Greenlight-Plattform verbannt, nur um kurz darauf wieder aufgenommen zu werden.

Zu dieser Zeit hatte sich das Modelabel Björn Borg mit einer Persiflage in die Debatte eingeschalten. Mit einem an den "Hatred"-Trailer angelehnten Clip warb man für ein eigenes Projekt namens "First Person Lover". Das kostenlose Spiel, in dem der Spieler gewaltlos gegen Hass und Homophobie antritt, ist nun fertig. Der GameStandard hat sich einen kurzen Eindruck verschafft.

foto: first person lover
björn borg

Für Browser, Windows und OS X

Gespielt werden kann im Browser (Voraussetzung ist die Installation des Plugins für die Unity-Engine) oder eine Standalone-Fassung als Download für Windows und OS X. Beschrieben wird der Titel als "Online Fashion Game Experience", was allerdings etwas zu kurz greift.

Das Kleidungssortiment von Björn Borg spielt freilich eine sichtbare Rolle. Spielziel ist es, als Heldin oder Held Menschen mit Hilfe eines besonderen Waffenarsenals mit Liebe anzufüllen. Die Gegner, die in schlichtem und eintönigem Businesstextil die Straßen und Gebäude der Stadt säumen, wehren sich freilich dagegen.

Kiss Gun

Trifft man sie oft genug mit der Kiss Gun, dem Rainbow Crossbow oder einer anderen der insgesamt fünf Waffen, stehen sie im (zensierten) Adamskostüm da und blicken verwirrt um sich. Der Spieler kann sie nun "befreien", was gleichbedeutend mit "einkleiden" ist. Außerdem müssen Hassgeneratoren deaktiviert werden, woraufhin auch die sonst eher steril anmutende Umgebung farbenfroh erstrahlt.

Die künstliche Intelligenz der Gegner ist freilich sehr berechenbar. Die hasserfüllten Stadtbewohner werden nur in der Masse gefährlich, wobei der Spieler ein Ableben stets abwenden kann.

foto: first person lover
foto: first person lover

Putin als Zwischengegner

Björn Borg hat allerdings nicht mit mehr oder weniger offensichtlichen Anspielungen gespart. Vor einem Einkaufszentrum findet sich etwa eine Gruppe Demonstranten mit "God hates Figs"-Transparenten. Als ein Zwischengegner fungiert ein etwas älterer Herr mit wenig Haupthaar, der mit nacktem Oberkörper auf einem Bären reitet und wohl nicht von ungefähr stark an den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin erinnert.

In Russland sind positive, öffentliche Äußerungen zu Homosexualität per Gesetz untersagt. Das Land erkennt keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften an und verbietet in- und ausländischen gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern.

foto: first person lover

Einfach, aber unterhaltsam

Spielerisch ist der eher simpel gestrickte Actiontitel unterhaltsam. Grafisch und akustisch ist die Umsetzung ordentlich, wobei sich der Detailgrad in mehreren Stufen regeln lässt. Die Steuerung ist unkompliziert und funktioniert nach etablierten Egoshooter-Standards. Freunde von Actiongames können bedenkenlos reinschnuppern. (Georg Pichler, derStandard.at, 09.02.2015)

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