Mitterlehner in Kanzlerfrage klar vor Faymann

6. Februar 2015, 17:02
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Die FPÖ hat weiterhin gute Wahlchancen, aber die ÖVP hat den stärksten Kanzlerkandidaten

Linz - "Wenn Sie die Bundesregierung aus SPÖ und ÖVP betrachten: Welche Partei bestimmt da die Inhalte stärker - die SPÖ oder die ÖVP?" Diese Frage legte das Linzer Market-Institut diese Woche 405 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten vor. Und bekam die klare Antwort, dass derzeit die ÖVP die inhaltlich dominierende Kraft ist.

"Die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen hat die ÖVP-geführten Ministerien Äußeres, Inneres und Finanzen in der Aufmerksamkeit begünstigt - das mag ein Teil der Erklärung dafür sein, dass die Volkspartei derzeit als treibende Kraft wahrgenommen wird", sagt Market-Institutsleiter David Pfarrhofer. Darüber hinaus aber deute vieles darauf hin, dass die ÖVP tatsächlich die SPÖ überflügelt hat.

Selbstbewusste ÖVP-Wähler

In Zahlen: 30 Prozent der Befragten nennen die ÖVP stärker, 18 Prozent die SPÖ. Bei genauerer Auswertung der Zahlen zeigt sich, dass die erklärten ÖVP-Wähler von der Führungsrolle ihrer Partei stärker überzeugt sind als die SPÖ-Wähler von der sozialdemokratischen Führungsstärke. Dieselbe Frage hatte der STANDARD bereits im November stellen lassen - damals ging es auch zugunsten der ÖVP aus, allerdings mit 27 zu 25 längst nicht so deutlich.

Jeder vierte Befragte sagt, dass derzeit beide Parteien etwa gleich stark in der Koalition wären, 23 Prozent nennen sie gleich schwach.

Mitterlehner Wunschkanzler

Die relative Stärke der ÖVP zeigt sich auch in der Kanzlerfrage, die in der Grafik dargestellt ist: Könnte man den Bundeskanzler direkt wählen, würden nur 15 Prozent Amtsinhaber Werner Faymann die Stimme geben. 34 Prozent wären für Reinhold Mitterlehner - das sind Werte, wie sie der amtierende Kanzler im Jahr 2011 bei weniger Konkurrenten im Parlament und dann nur noch einmal, kurz nach der gewonnenen Nationalratswahl 2013, erreicht hat.

Derzeit würden nur 15 Prozent Faymann direkt wählen. Damit liegt er auf demselben Niveau wie Grünen-Chefin Eva Glawischnig und der Freiheitliche Heinz-Christian Strache - beide werden von jeweils 14 Prozent im Kanzleramt gewünscht. Matthias Strolz von den Neos hat längst nicht mehr so viel persönliche Zustimmung; die Exponenten des Team Stronach haben dieses Niveau an Zustimmung überhaupt nie erreicht.

FPÖ stärkste Partei

Aus der Sonntagsfrage - welche Partei man wählen würde, wenn am kommenden Sonntag Wahlen wären - hat Pfarrhofer errechnet, dass die FPÖ weiterhin die stärkste Partei ist und mit 26 Prozent rechnen könnte.

Die ÖVP käme (wie schon bei der Nationalratswahl) auf 24 Prozent und wäre damit klar hinter der FPÖ und vor der SPÖ mit 22 Prozent. Die Grünen kommen in der Hochrechnung auf 15 Prozent, die Neos auf acht. Das Team Stronach könnte gerade noch mit einem Prozent rechnen, etwa so viel wie das BZÖ.

Rechnerisch zeigt sich, dass die aktuelle Koalition kaum die Chance auf eine Regierungsmehrheit hätte. Eine Zweierkoalition ginge sich rechnerisch nur zwischen FPÖ und ÖVP aus. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 7.2.2015)

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