Mordfall Madeleine: Lebenslange Haft für Kärntner in Essen

6. Februar 2015, 17:51
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Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Essen/Villach - Ein Kärntner ist am Freitag in Nordrhein-Westfalen wegen des Mordes an seiner Stieftochter zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden. Die 23-jährige Madeleine soll von dem 47-Jährigen jahrelang missbraucht und vor knapp einem Jahr erstickt worden sein. Das Essener Schwurgericht stellte außerdem eine besondere Schwere der Schuld fest.

Vorzeitige Entlassung ausgeschlossen

Das bedeutet, dass eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren Haft ausgeschlossen ist. In dem Schrebergarten des Kärntners war die Leiche Madeleines gefunden worden. Jahrelang hatte ihr Stiefvater sie missbraucht. Die 23-Jährige flüchtete in ein Mutter-Kind-Haus. Doch dann ließ sie sich zu einem Treffen mit ihrem Peiniger locken. Kurz darauf war die junge Frau tot. Sein Sohn wurde als Mittäter zu vier Jahren Haft verurteilt.

Nach Verkündung des Urteils schüttelte der Kärntner immer wieder den Kopf und kommentierte die Ausführungen des Richters Andreas Labentz: "Ich kann das Gelaber nicht mehr hören." Mehrfach sah es so aus, als ob er aufstehen und gehen wollte, dann ließ er sich aber doch wieder in seinen Stuhl fallen.

"Wie Gartenabfall entsorgt"

"Er ist ein Psychopath, der Madeleine wie sein Eigentum betrachtet hat", sagte der Richter in der Urteilsbegründung. "Ihren Körper hat er wie Gartenabfall entsorgt." Der gefesselte und geschundene Leichnam der 23-Jährigen war unter mehreren Schichten Erde und Beton gefunden worden. Auf dem Grab wuchsen frische Pflanzen.

Auslöser der Tat war ein unfassbares Familiendrama. Der Kärntner soll Madeleine jahrelang sexuell missbraucht haben. Er ist auch der Vater ihrer inzwischen dreijährigen Tochter. Doch das hat viele Jahre lang niemand gewusst. "Uns wurde immer erzählt, dass das Kind aus einem Onenightstand stammt", sagte ein 29-jähriger Bekannter des Angeklagten am Rande des Prozesses. "Er war aber immer sehr lieb zu dem Kind."

Madeleine erstattete 2012 Anzeige

Madeleine war im August 2012 aus der elterlichen Wohnung geflohen. Sie tauchte in einer Mutter-Kind-Einrichtung unter, zeigte den Österreicher wegen sexuellen Missbrauchs an. "Er wollte sich an Madeleine rächen", sagte Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens in ihrem Plädoyer. Er sei es gewohnt gewesen, dass Madeleine ihm gehöre und gehorche. Einmal soll er auch diese Sätze gesagt haben: "Ich werde Madeleine schon finden. Sie wird irgendwann unter der Erde liegen. Ich werde dann darauf rumtrampeln und sagen: Madeleine, jetzt bist du ruhig."

Am Tag der Tat nahm der Sohn des Kärntners Kontakt zu seiner Halbschwester Madeleine auf und lockte sie am 11. Februar 2014 mit falschen Versprechen zu einem Treffen. Dort wartete schon ihr Stiefvater und fuhr mit ihr in den Schrebergarten.

Der Kärntner hatte die Tötung seiner Stieftochter zwar gestanden, aber als tragische Eskalation dargestellt. Es sei nur eine Aussprache geplant gewesen. Doch dann sei es zu einem heftigen Streit gekommen und er habe Madeleine eine volle Wodkaflasche an den Kopf geworfen. Danach sei sie sofort tot gewesen. Fakt ist allerdings: Die 23-Jährige ist erstickt worden, wie das rechtsmedizinischen Gutachten ergab. (APA, 6.2.2015)

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