Knieverletzungsrisiko lässt sich durch Skitraining reduzieren

6. Februar 2015, 12:28
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Ein Skitraining zahlt sich vor allem für jene aus, die im Alltag viel sitzen und wenig Zeit für Sport haben

Mit Beginn der Wintersport-Hochsaison rechnet die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) auch mit einer Zunahme von Verletzungen. Das Knie ist mit einem Drittel die am häufigsten verletzte Körperregion beim Skifahren.

Zu wenig Vorbereitung

Viele Skiunfälle lassen sich auf eine unzureichende skispezifische Fitness zurückführen. "Wir raten den Skisportlern, sich im Vorfeld durch Skigymnastik intensiv auf den Skiurlaub vorzubereiten und damit das Risiko, vor allem für Knieverletzungen, zu reduzieren", sagt Reinhard Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär der DGOU.

Bei den Verletzungen stehen mit 34,7 Prozent Knieverletzungen an erster Stelle. Gefolgt werden sie von Verletzungen an Schulter (18,7 Prozent), Rumpf (10,4 Prozent), Hüfte und Oberschenkel (6,7 Prozent) sowie am Kopf (6,6 Prozent). Die häufigste schwere Knieverletzung im alpinen Skisport ist die Ruptur des vorderen Kreuzbandes.

Häufig werden Knieverletzungen verursacht durch Vorwärtsdrehstürze, bei denen die Skibindung nicht adäquat auslöst. Weibliche Skifahrer verletzen sich am Knie häufiger als Männer - der Anteil der Knieverletzungen bei Frauen beträgt 44,4 Prozent, bei Männern 28,2 Prozent. Ursache ist eine im Vergleich zum Mann geringere Muskelkraft in der Oberschenkelmuskulatur und eine insgesamt schwächere Bandfestigkeit.

"Genau diese Schwäche lässt sich aber mit dem nötigen Muskeltraining der Beinstreck- und Beinbeugemuskulatur reduzieren", sagt DGOU-Experte Michael Nerlich. Ein Skitraining sollten aber nicht nur Frauen, sondern alle absolvieren, die im Alltag viel sitzen und wenig Zeit für Sport haben, so der Experte.

Helmtragen wichtig

Verletzungen am Kopf sind in den letzten Jahren konstant zurückgegangen, was hauptsächlich an der zunehmenden Zahl helmtragender Skifahrer liegt - der Deutsche Skiverband geht von einer Helmtragequote von mittlerweile 85 Prozent aus.

Weil die Zahl der Kollisionsunfälle in den letzten drei Jahren kontinuierlich gestiegen ist und sie bereits 18 Prozent der Sturzursachen ausmachen, rät Nerlich, nicht nachlässig beim Skihelmtragen zu werden. "Das gilt auch für die Einhaltung der FIS-Verhaltensregeln für Skifahrer", sagt Nerlich, der früher selbst als Skilehrer tätig war.

Kommt es zu einem Unfall, können leichtere Verletzungen in der Skiregion versorgt werden. Bei schwerwiegenden Verletzungen allerdings sollte in der Regel die operative Versorgung nach der Notfallversorgung in Wohnortnähe stattfinden, so Nerlich: "Für die vollständige Wiederherstellung ist eine anschließend einzuleitende Rehabilitation notwendig, die im Sinne der Patienten und Angehörigen heimatnah stattfinden sollte." (red, derStandard.at, 6.2.2015)

Für einen unfallfreien Skiurlaub haben Orthopäden und Unfallchirurgen Tipps zusammengestellt, wie Skifahrer das Risiko für Stürze und Verletzungen verringern können:

Vor dem Skiwinter:

• 2-3 Mal in der Woche für 30 Minuten Skigymnastik zur Verbesserung der Beweglichkeit und zum Aufbau der Muskulatur – Übungen etwa hier

• Skiausrüstung auf Vordermann bringen, Bindungseinstellung durch den Fachmann vornehmen lassen

• Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung prüfen und ggf. eine Auslandkrankenversicherung abschließen

• Sehleistung kontrollieren lassen, eine vorhandene Sehhilfe auch beim Skifahren tragen

Auf der Piste:

• Anfänger sollten zum Erlernen der Sportart eine Ski- oder Snowboardschule besuchen

• Fahrweise, Ausrüstung und Bekleidung sollten dem eigenen Können angepasst sein

• Erhalt der Konzentrationsfähigkeit und der physischen Fähigkeiten durch: ausreichende Energiezufuhr, Ausgleich des Flüssigkeitsdefizites insbesondere in höheren Lagen sowie Alkoholabstinenz!

• Erhöhung der Sicherheit durch Tragen eines Skihelmes, Tragen von Protektoren (z.B. Wirbelsäule oder Knie- und Handgelenk), Nutzung verschiedener Ski- und Sportbrillen für unterschiedliche Sicht- und Witterungsverhältnisse

• Ermüdungsanzeichen beachten und Regenerationspausen einhalten. Vor der ersten Abfahrt oder nach längeren Pausen aufwärmen

• Gefahren erkennen und richtig reagieren: Eispisten und Pisten mit aufgeweichtem Schnee (spätnachmittags) meiden, überfüllte Pisten meiden

• Fahren nur auf freigegebenen und präparierten Pisten. Gesperrte Strecken meiden. Verhalten bei einem Skiunfall

• Unfallstelle absichern, so dass nicht noch weitere Stürze passieren

• Zustand des Verletzten prüfen und ggf. Hilfe über den europaweit funktionierenden Notruf 112 auslösen

• Erste-Hilfe-Maßnahmen anwenden: Den Verletzten in eine angenehme Position bringen, warm halten und beruhigend einwirken

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