Wortkunde: Integrationsunwilligkeit

7. Februar 2015, 17:00
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Sebastian Kurz will Integrationsunwilligkeit mit Geldstrafen ahnden. Gut möglich, dass seine Rechnung nicht aufgeht

Außenminister Sebastian Kurz von der ÖVP hat sich der Integration verschrieben. Das ist für einen Konservativen erstaunlich, bedeutete das lateinische "integrare" doch ursprünglich erneuern. Darum geht es ihm aber gar nicht. Kurz will Schüler zum Integrieren bringen.

Ein bisserl Integral findet er nicht nur zumutbar, er geht so weit, dass er bei (vom Schularzt?) diagnostizierter Integrationsunwilligkeit nicht vor deren Ahndung zurückschreckt. Diesbezüglichen Unwillen möchte er mit Geldstrafen belegen.

Geht es nach ihm, soll es künftig so sein, dass Kinder, die nicht integrieren können, nicht nur Gefahr laufen, in Mathematik durchzufallen, sie müssen zusätzlich zur Nachhilfe auch noch Strafe zahlen. Das ist menschlich und politisch nicht schlau, da sollte man besser differenzieren. Vorausgesetzt es herrscht nicht auch noch Differenzialunwilligkeit. Diese soll vor allem unter jenen Schülerinnen und Schülern grassieren, die sich schon der Pfeilrechnung (akademisch: Vektorrechnung) verschließen.

Nein, Colonel Kurz, so wird das nichts mit der offenen Gesellschaft. So kommt man auf keinen gemeinsamen Nenner, das wäre ein echter Bruch. Ja, drei Fünftel des Lehrkörpers sagen, das sei ein Kurzschluss, und zwar ein direkter, kein indirekter.

Der Außenminister sollte also überlegen, ob er an seiner Idee festhalten will, bevor ihm Österreichs Schülerinnen und Schüler eine Rechnung präsentieren, deren Lösungswahrscheinlichkeit kleiner gleich null ist. Das ist die Mathematik nicht wert. (flu, DER STANDARD, 7./8.2.2015)

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    foto: lisa stadler
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