NSA und GCHQ spionieren Hacker aus, nutzen deren erbeutete Daten

6. Februar 2015, 10:18
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Betreiben eigenes Programm, um Twitter-Accounts und Blogs zu beobachten - Hacker gelten als "geringe Gefahr"

Während NSA-Führungspersonal wie Ex-Chef Keith Alexander in der Vergangenheit immer wieder öffentlich vor Hackern wie dem Kollektiv Anonymous warnte, gelten diese intern als wertvolle Ressource. Auch auf die Beute der Hacker haben es der US-Geheimdienst und sein britisches Pendant GCHQ abgesehen. Das zeigen neue Dokumente aus dem Snowden-Archiv, die von The Intercept veröffentlicht wurden.

Datenströme entdeckt

Die Dokumente beschreiben detailliert eine Operation namens "Intolerant" , bei der eine britische GCHQ-Station wohl zufällig Datenverkehr innerhalb einer Hackergruppe isolieren konnte. Diese führte Cyberattacken gegen mehrere diplomatische Einrichtungen, NGOs und Journalisten durch. Für NSA und Co eine wertvolle Beute: "Die betroffenen Opfer machen den Datensatz interessant", schreibt der Geheimdienst.

Diebesgut selbst genutzt

Zwar konnte nicht festgestellt werden, wer hinter den Cyberangriffen steckte, NSA und GCHQ vermuteten aber "staatliche Unterstützung". Dass die Geheimdienste auf von Hackern gestohlene Daten zurückgreifen, deckt sich mit früheren Enthüllungen: So wurde unlängst bekannt, dass die NSA andere Geheimdienste infiltriert, um deren Beute zu stehlen. Das wird intern als "4th Party Collection" bezeichnet.

Von Hackern lernen

Hacker sind aber auch aufgrund ihrer Fähigkeiten begehrt. Der britische GCHQ rief deshalb ein Programm namens "Lovely Horse" ins Leben, das Blogs und Twitter-Accounts bekannter Sicherheitsforscher analysierte. Anschließend sollten die eigenen Agenten die Meldungen durchforsten, um von den Hackern lernen zu können. Unter den abgelauschten Hackern sind etwa Mitarbeiter von Google, ehemalige NSA-Angestellte und das Hackerkollektiv Anonymous.

Gefahr übertrieben?

Letztere sollen gar nicht so gefährlich sein, wie öffentlich gern behauptet wird: NSA-interne Dokumente lassen zumindest daran zweifeln, dass Anonymous tatsächlich kritische Infrastruktur angreifen könnte (oder möchte). "Im Vergleich zu Nationalstaaten ist die Gefahr durch Anonymous minimal", heißt es in einem Bericht. (fsc, derStandard.at, 6.2.2015)

  • Die NSA stellt Hacker wie das Kollektiv Anonymous öffentlich gefährlicher dar, als sie tatsächlich sein sollen
    foto: reuters/hall

    Die NSA stellt Hacker wie das Kollektiv Anonymous öffentlich gefährlicher dar, als sie tatsächlich sein sollen

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