Beamtenpension: Schlechtes Vorbild Staat

Kommentar5. Februar 2015, 17:36
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Wenn die Politiker die Chance haben, sich als gute Arbeitgeber zu erweisen, versagen sie

Nicht schon wieder die Beamten! Doch. Der Rechnungshof - in dem selbstverständlich auch Beamte tätig sind - hat sich angesehen, wie es die Ministerien mit dem Pensionierungsalter halten.

Er hat, wenig überraschend, festgestellt, dass gerade einmal jeder dreiunddreißigste Ministerialbeamte wirklich bis zum 65. Lebensjahr durchdient. Überrascht hat aber, dass der Dienstgeber nicht mehr unternimmt, um seine Mitarbeiter länger in Beschäftigung zu halten. Der Dienstgeber, das ist jene Republik Österreich, deren Vertreter bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verkünden, dass die Österreicher doch bitte länger im Arbeitsprozess bleiben sollen; und dass Arbeitgeber sich des Wertes ihrer erfahrenen älteren Mitarbeiter bedienen sollten.

Wenn dieselben Politiker aber die Chance haben, sich als gute Arbeitgeber zu erweisen, versagen sie. Beispiel Innenministerium: Dort wäre jeder Exekutivbeamte schlecht beraten, in den Verwaltungsdienst zu wechseln - der bringt, weil weniger anstrengend, weniger Zulagen. Das mag sachlich gerechtfertigt sein, lockt die Betroffenen aber in die Frühpension. Geringeres Pensionseinkommen ohne Arbeitsaufwand ist halt angenehmer als geringeres Arbeitseinkommen mit (wenn auch erleichterter) Arbeitsverpflichtung. Man lernt daraus: Es kostet etwas, ältere Mitarbeiter länger zu beschäftigen. Aber das muss es dem Staat wert sein, wenn er ein vorbildlicher Arbeitgeber sein will. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 6.2.2015)

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