Hollande: Schulen gegen Anwerbung für Jihad stärken

5. Februar 2015, 17:03
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Sozialmaßnahmen sollen für mehr Zusammenhalt und Durchmischung in der französischen Bevölkerung sorgen

François Hollande will die "republikanische Schule" ins Zentrum seiner Antiterror-Bemühungen rücken. In seiner Halbjahres-Pressekonferenz am Donnerstag stellte Frankreichs Präsident Finanzmittel in Aussicht, um gegen schulischen Misserfolg und Ausstieg zu kämpfen. Außerdem wird der Unterricht der französischen Sprache verstärkt. Die Lehrer erhalten eine bessere Ausbildung für ihre Mission, die soziale und nationale Kohäsion zu wahren.

Auf Forderungen der Rechtsopposition ging er nicht ein. Diese wollte eine Rückkehr der Schuluniformen und des Aufstehens zur Begrüßung der Lehrer. Auch sein Versprechen, Ausländern das Stimmrecht auf Kommunalebene zu erteilen, will Hollande "mangels Konsenses" nicht durchsetzen.

Gegen die "Segregation"

Zudem will der Staatschef für ein stärkeres Gefühl der Zusammengehörigkeit sorgen. Die Städtebau-Politik habe versagt. Zwar sei zuletzt viel für die Erneuerung der Banlieue getan worden, sagte er. "Doch in diesen Vierteln leben immer noch die gleichen Bevölkerungsgruppen". Zur Bekämpfung dieser "Segregation" - Hollande benützte ein schwächeres Wort als sein Premier Manuel Valls, der von "Apartheid" gesprochen hatte - will der Präsident das bestehende Gesetz zur sozialen Durchmischung verschärfen: Bürgermeister, die in ihrer Gemeinde weniger als zwanzig Prozent Sozialwohnungen bauen lassen, müssten mit höheren Bußen rechnen.

Ab Juni sollen Franzosen unter 25 Jahren außerdem die Möglichkeit erhalten, freiwillig einen der 150.000 Zivildienst-Posten im öffentlichen Dienst oder Gesundheitsbereich anzutreten. Zur Pflicht, wie sie manche zuletzt gefordert hatten, soll der Zivildienst aber nicht werden. Das gilt auch als undurchführbar: Für die jährlich knapp 800.000 Schulabgänger gäbe es zu wenige Posten. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 6.2.2015)

  • Frankreichs Präsident François Hollande will die Bürger zu mehr republikanischer Begeisterung ermuntern. Nicht überall war das Interesse für seine halbjährliche Pressekonferenz am Donnerstag aber uneingeschränkt.
    foto: reuters / charles platiau

    Frankreichs Präsident François Hollande will die Bürger zu mehr republikanischer Begeisterung ermuntern. Nicht überall war das Interesse für seine halbjährliche Pressekonferenz am Donnerstag aber uneingeschränkt.

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