Arbeit für den 77-Stunden-Tag

5. Februar 2015, 17:10
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Session Work Records lädt zum Festival ins Porgy & Bess und ermöglicht eine Leistungsschau des jungen Jazz aus Österreich

Wien - Wer über die junge Wiener Jazzszene spricht, der tut dies zumeist im Hinblick auf die hiesige JazzWerkstatt. Doch in deren Windschatten übernehmen auch andere Musiker-eigene Initiativen immer mehr das Kommando. Man denke an den Verein Freifeld um Schlagzeuger Alexander Yannilos und Pianist Georg Vogel, deren Konzertschiene "Freistunde" seit 2011 junge Talente vorstellt und auf CD herausbringt (nächste Album-Präsentation: Existenzhengste, 15. 2.).

Man denke an die Musiker um Saxofonist Werner Zangerle und sein Label Listen Closely, die sich in diesem Jahr nicht nur im Wiener Brick-5 (24./25. 4.), sondern auch im Salzburger Jazzit (20./21. 3.) im Rahmen des "hoerthoert"-Festivals vernehmen lassen. Und da ist das Label Session Work Records des aus Tirol stammenden Saxofonisten und Klarinettisten Christoph Pepe Auer, das seit der Gründung 2008 zu einer stillen Größe des heimischen Jazz herangewachsen ist: 77 Tonträgerveröffentlichungen stehen nach sieben Jahre zu Buche.

Wie sich das für einen Musiker zeitlich ausgeht? "Vielleicht hat ja mein Tag 77 Stunden", schmunzelt Auer. "Im Ernst: Das ist eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Es funktioniert wohl nur, weil um das Label inzwischen ein Dunstkreis von Leuten gewachsen ist, die mitarbeiten. Und weil Session Work kein Produzentenlabel, sondern eine Community-Plattform ist. Wobei ich schon als Filter agiere und die Produktionen nach den Kriterien Qualität und Originalität auswähle."

Ein Teil der zuletzt veröffentlichten Projekte wird am Wochenende beim dritten Session Work Festival zu erleben sein. Der rote Faden durch das Programm ist in gewisser Weise Christoph Pepe Auers Biografie: Aus Tirol, wo der 33-Jährige aufwuchs, reist das Quartett HI5 um Schlagzeuger Chris Norz an, das einen sympathisch eigenwilligen Weg zwischen Minimal-Music-angefixter Repetition und jazziger Kammermusik eingeschlagen hat (8. 2.). Aus Graz, wo Auer Saxofon studierte, kommt neben Sängerin Tjasa Fabjancic (7. 2.) auch Pianist Michael Lagger, der sein Trio im Rahmen der aktuellen CD Manuskript mit Texten und der Obertonstimme von Clemens Setz kurzschloss. Im Rahmen des Festivals wird Schauspieler Markus Peter-Gössler zu Laggers Musik Verse deklamieren (6. 2.). In Wien, wo Auer heute lebt, ist neben Singer-Songwriterin Lucia Leena (6. 2.) und Pianist Martin Reiter (7. 2.) auch das seit 15 Jahren arbeitende Saxofonquartett Phoen zu Hause. Mit ihm ruft sich Christoph Pepe Auer zu Festivalbeginn selbst auf die Bühne. (Andreas Felber, DER STANDARD, 6.2.2015)

6.-8. 2., Porgy & Bess, 1., Riemergasse 11, 01/512 88 11 20.00

  • Eröffnet das Session Work Festival: Das Saxofonquartett Phoen, bestehend aus Florian Fennes, Arnold Zamarin, SessionWork-Gründer Christoph Pepe Auer und Viola Falb (v. li.).
    foto: martin bilinovac

    Eröffnet das Session Work Festival: Das Saxofonquartett Phoen, bestehend aus Florian Fennes, Arnold Zamarin, SessionWork-Gründer Christoph Pepe Auer und Viola Falb (v. li.).

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