Weiße Zähne um jeden Preis

5. Februar 2015, 16:04
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Zahnaufhellung wird in Österreich in Zahnarztpraxen und privaten Bleaching-Studios angeboten. Die Nebenwirkungen der verwendeten Bleichmittel sind umstritten

Schlechte Füllungen, abradierte Schneidekanten und Medikamente im Wachstumsalter: Das sind laut Harald Fahrenholz vom Wiener Zentrum für Zahnästhetik Ursachen von Farbveränderungen. Ist der Zahnschmelz weg, dringen Farbpartikel etwa von Nikotin, Tee, Kaffee Rotwein oder Curry durch die Dentinkanälchen der Zähne ein und verfärben sie von innen. Das beste Mittel um Verfärbungen generell vorzubeugen, ist sorgfältige Zahn- und Mundhygiene. Fahrenholz: "Oder man könnte auch die oben genannten Stoffe weglassen. Aber wer will schon auf Rotwein verzichten?"

Wer die weiße Farbe seiner Zähne zurückhaben will, sollte zuerst herausfinden ob es sich tatsächlich um Verfärbungen oder nur um Beläge handelt. Solche Lebensmittelrückstände lagern auf der Oberfläche und können durch eine professionelle Zahnreinigung entfernt werden. Eine Aufhellung hingegen geht tiefer. Sie entfernt die farbgebenden Stoffe, die im Zahnschmelz und im Dentin lagern.

Seit 20 Jahren in Österreich

Den Wunsch nach weißeren Zähnen gibt es schon immer. Ziegenmilch, Chemikalien und Säuren dienten früher zur Aufhellung von Zähnen. Die Römer benutzten aufgrund seines Ammoniakgehalts sogar tierischen und menschlichen Urin. Seit 20 Jahren gibt es hierzulande professionelle Zahnaufhellungsbehandlungen, auch Bleaching genannt. Heute werden Präparate mit Wasserstoffperoxid eingesetzt. Diese enthalten Sauerstoffradikale, die in die Zähne eindringen und dort, ähnlich wie beim Blondieren von Haaren, die Farbpigmente reduzieren.

Zahnärzte wenden drei verschiedene Bleaching-Methoden an. Beim "Home-Bleaching" fertigt der Zahnarzt Plastik-Schienen an, die mit einem Gel gefüllt und über einen bestimmten Zeitraum, etwa in der Nacht, getragen werden. Die hierfür verwendeten Präparate beinhalten zwischen 6,5 und 22 Prozent Peroxid. Das "In-Office-Bleaching" wird direkt beim Zahnarzt angewendet. Laut Fahrenholz werden zuerst Zahnfleisch und Stellen ohne Zahnschmelz abgedeckt, bevor das Bleichmittel aufgetragen wird. Häufig wird mithilfe von Bleaching-Lampen die Wirkung verstärkt. Das verwendete Bleichmittel enthält etwa 35 Prozent Wasserstoffperoxid.

Die dritte Methode ist das so genannte "Walking-Bleach"-Verfahren. Diese Behandlungsweise wird vor allem bei einzelnen, abgestorbenen Zähnen durchgeführt. Der Mediziner öffnet dabei die Zahnkrone und befüllt sie mit einem Bleichmittel. Da das Gel zeitverzögert wirkt, verbleibt es für einige Tage im Zahn und die Krone wird provisorisch verschlossen. Ist die gewünschte Farbe erreicht, wird das Mittel entfernt und durch eine dauerhafte Füllung ersetzt. Laut Fahrenholz halte die Wirkung eines Bleachings in der Zahnarztpraxis, je nachdem welche Farbstoffe man zu sich nimmt, etwa ein Jahr lang. Dann sei eine einmalige Auffrischung notwendig.

Zahnaufhellung und Gefahren

Untersuchungen haben ergeben, dass es bei den verschiedenen Methoden der Zahnaufhellung zu diversen Nebenwirkungen kommen kann. Noch während der Behandlung können Schmerzen auftreten, "in diesem Fall wird sofort abgebrochen", sagt Zahnmediziner Fahrenholz. Die Schmerzen sind meist auf eine Empfindlichkeitsreaktion durch das Bleichmittel zurückzuführen.

Aufgrund der chemischen Prozedur reagieren die Zähne oft, wenn auch nur vorübergehend, sensibel auf Süßes und Saures sowie Kälte und Wärme. Laut Fahrenholz seien diese Empfindlichkeiten aber vollkommen ungefährlich. Auch der ph-Wert der Aufhellungsmittel spielt eine Rolle. Ist er zu niedrig, besteht die Gefahr einer oberflächlichen Aufrauung der Zahnsubstanz - die Zähne könnten brüchig werden. Weiters wurde festgestellt, dass beim so genannten "Home-Bleaching" etwa 25 Prozent des Aufhellungs-Gels verschluckt werden. Das kann zu Schleimhautirritationen und Schäden im Mund- und Rachenraum sowie im Magen führen. Diese Nebenwirkungen können bei gesunden Zähnen auftreten. Wurden bei einer vorhergehenden Untersuchung allerdings gar kariöse oder undichte Stellen übersehen, kann das Bleichmittel eindringen und zu Nervenreizungen führen, die im schlimmsten Fall eine Wurzelkanalbehandlung nach sich ziehen.

Ein weiterer Nachteil besteht für Menschen mit Brücken, Kronen oder Zahnfüllungen. Diese können nämlich nicht aufgehellt werden und müssten deshalb nach einem Bleaching ersetzt werden. Betroffene Patienten hätten mit hohen Kosten zu rechnen, besonders weil sich die Zähne erneut verfärben können.

Im Zentrum für Zahnästhetik kostet ein Bleaching zwischen 130 und 600 Euro. Weitaus günstiger, dafür mit einer niedrigeren Peroxid-Konzentration, wird Zahnaufhellung auch außerhalb von Zahnarztpraxen angeboten. Dort wird mit einem Gel gebleicht, das höchstens 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid enthält. Denn alles was darüber liegt, ist laut EU-Gesetz seit 2012 nur mehr Zahnärzten erlaubt.

Diese stehen den Bleaching-Studios erwartungsgemäß kritisch gegenüber. Aufgrund der geringen Dosierung bezweifelt Zahnarzt Fahrenholz allerdings die Wirkung. Es handle sich dabei höchstens um "eine bessere Beseitigung der Beläge". Dass das Bleichen im Studio durchaus gute Ergebnisse bringt, versichert Sibel Isik, Betreiberin zweier "Sun Company"-Filialen, die Zahnaufhellung anbieten: "90 Prozent unserer Kunden sind sehr zufrieden, nur ganz selten gibt es Fälle in denen die Aufhellung nicht wirkt. Das liegt daran, dass manche Menschen von Haus aus einen dunkleren Grundton haben."

Do-it-yourself im Studio

Robert Bauer ist Geschäftsführer der "Puresmilebar" im ersten Bezirk in Wien. Er erklärt, wie das Bleaching in seinem Studio funktioniert: "Die Kunden legen sich die mit Gel gefüllten Zahnschienen selbst in den Mund. Dann werden die Zähne mit kaltem LED-Licht beleuchtet." Je nach Dauer kostet die Behandlung zwischen 79 und 139 Euro. Das gebleichte Lächeln hält dann etwa sechs bis acht Monate. Allerdings empfiehlt die "Puresmilebar" nach drei Monaten eine Auffrischung für 49 Euro. Vor der Behandlung muss jeder Kunde eine Einverständniserklärung unterzeichnen, obwohl das verwendete Gel laut Bauer in "keiner Weise gefährlich ist". Ihm ist nur eine mögliche Nebenwirkung bekannt: "Hat jemand Ablagerungen in den Zähnen, können kurzfristig Flecken entstehen".

Zahnmediziner Fahrenholz kennt allerdings auch schwerwiegendere Folgen und empfiehlt eine Behandlung von medizinisch geschultem Personal. Sowohl eine Zahnuntersuchung als auch eine professionelle Reinigung hält Fahrenholz vor einer Aufhellung für ratsam, beides bietet ein Bleaching-Studio nicht.

Etwa 30 Prozent aller österreichischen Zahnärzte bieten Aufhellungen an. Bauer vermutet, dass hinter ihrer Kritik eigentlich die Angst vor einem Geschäftsrückgang steckt: "Sie fürchten sich, dass ihr Bereich angegriffen wird." Die Zahnärzte hätten aber nicht das alleinige Recht auf Durchführung von Zahnaufhellungen. "Unser Bleaching hält vielleicht nicht so lange an, aber es ist viel schonender", so Bauer. (Bernadette Redl, derStandard.at, 5.2.2015)

  • Dieses Weiß ist mit Putzen wohl nicht zu erreichen.
    foto: apa/zentralbild

    Dieses Weiß ist mit Putzen wohl nicht zu erreichen.

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