Prämierter Film "Leviathan" nur zensuriert in russischen Kinos

5. Februar 2015, 14:42
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Regierung in Moskau erbost über für Oscar-nominiertes Werk

Moskau - Nach langer Kontroverse ist der im Ausland preisgekrönte russische Film "Leviathan" in einer zensierten Fassung in die russischen Kinos gekommen. Der Film von Regisseur Andrej Swjaginzew lief Donnerstag in landesweit etwa 650 Kinosälen an. Obwohl etwa bei Schimpfworten der Originalton heruntergedreht wurde, ist der gesellschaftskritische Film erst ab 18 Jahren freigegeben.

"Leviathan" ist dieses Jahr für einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert, den Golden Globe in dieser Kategorie hat er bereits bekommen. Außerdem erhielt er beim Filmfestival in Cannes den Preis für das beste Drehbuch. In Russland sollte der Film, der Korruption in Justiz und Verwaltung Russlands anprangert, im November anlaufen. Ein neues Gesetz, das Fluchen in öffentlichen Werken verbietet, verzögerte den Kinostart aber. Die Regierung in Moskau warf den Filmemachern vor, ein viel zu düsteres Bild von Russland zu zeichnen. Dem Film fehle es an Patriotismus, hieß es.

Gesetz gegen Flüche

Der russische Kulturminister Wladimir Medinski hatte das Gesetz gegen Flüche im Film auf den Weg gebracht. Am Tag, als "Leviathan" für den Oscar nominiert wurde, wandte er sich mit scharfen Worten gegen Regisseur Swjaginzew. "Was liebt er? Goldstatuen und rote Teppiche, das steht fest", sagte der Minister in einem Interview mit der Zeitung "Iswestija". Um internationalen Erfolg zu erlangen, sei der Film "opportunistisch jenseits aller Verhältnismäßigkeit".

Harsche Kritik kam auch von orthodoxen Christen in Russland: "Leviathan ist unheilvoll, und im Kino gibt es keinen Platz für das Böse", erklärte Kirill Frolow von der Vereinigung orthodoxer Experten. Ein Sprecher der orthodoxen Kirche stufte den Film als "antichristlich" ein.

Die Kontroverse trug dazu bei, dass der Film auch in Russland große Beachtung findet. Er sei "in mehr Kinos ins Programm gekommen, als wir erwartet haben", sagte sein Produzent Alexander Rodnianski. Schon vor dem offiziellen Kinostart hatten schätzungsweise drei bis sechs Millionen Menschen den illegal im Internet verbreiteten Film gesehen. "Leviathan" sei "der größte russische Film des Jahrzehnts", über den alle Welt rede, schrieb das russische Kulturmagazin "Afischa". (APA, 5.2.2015)

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