Heftige Gefechte zwischen Boko Haram und kamerunischem Militär

5. Februar 2015, 18:06
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Erneuter Angriff der Islamisten wurde abgewehrt

Jaunde/Abuja - Bei einem Angriff der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram auf ein Dorf im Norden Kameruns sind nach offizieller Darstellung mindestens 82 Zivilisten getötet worden. Angesichts der durch die Extremisten angerichteten Massaker, auch in Nigeria, appelliert Frankreich an die internationale Gemeinschaft, mehr zum Kampf gegen Terrorismus in Afrika beizutragen.

Die radikalen Jihadisten der Boko Haram hatten den Ort Fotokol in der Nacht auf Donnerstag attackiert und wahllos Einwohner ermordet. "Die Zahl der Opfer wird sicher noch steigen, da viele Verletzte derzeit noch in Lebensgefahr schweben", sagte Verteidigungsminister Edgar Alain Mebe Ngo'o am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Extremisten brannten den Angaben zufolge auch drei Moscheen nieder. Dabei kamen zahlreiche Muslime ums Leben.

Zahlreiche Extremisten getötet

Wie viele Boko-Haram-Kämpfer bei anschließenden schweren Gefechten mit der Armee getötet wurden, war unklar. Lokale Medien zitierten Augenzeugen mit den Worten, mindestens 300 der Extremisten seien getötet worden. Regierungssprecher Issa Tchiroma Bakary hatte zuvor von 50 Opfern berichtet.

"Etwa 800 Boko-Haram-Kämpfer haben am Mittwoch erneut die Stellung unserer Truppen in dem Ort Fotokol angegriffen", sagte er. "Aber wir konnten sie zurückdrängen." Nach Angaben des Sprechers der kamerunischen Streitkräfte, Didier Badjeck, waren die Menschen "in den Moscheen, auf den Straßen und in ihren Häusern abgeschlachtet worden".

Der Angriff auf Fotokol war offenbar ein Racheakt für eine Offensive der tschadischen Armee in Nigeria. Dabei waren kurz zuvor in dem Ort Gamboru - der nur 500 Meter von Fotokol entfernt auf der anderen Seite der Grenze liegt - rund 200 Kämpfer der sunnitischen Fundamentalisten getötet worden.

Boko Haram kämpft für die Gründung eines sogenannten Gottesstaates im muslimisch geprägten Nordosten Nigerias und den angrenzenden Gebieten. Seit 2009 hat die Gruppe Schätzungen zufolge mehr als 15.000 Menschen getötet. Die Afrikanische Union plant die Entsendung einer 7.500 Mann starken Regionaltruppe, die den Kampf gegen die Extremisten unterstützen soll.

Frankreichs Präsident Francois Hollande verlangte unterdessen von der internationalen Staatengemeinschaft und insbesondere von großen Ländern mehr Einsatz im Anti-Terror-Kampf in Afrika. "Macht eure Arbeit. Erteilt keine Lektionen, sondern werdet aktiv", sagte Hollande am Donnerstag im Elysee-Palast in Paris und nannte insbesondere die USA und Russland. "Erledigt eure Pflicht, niemand wird es für euch machen." Frankreich könne "nicht alle Konflikte der Welt lösen", bekräftigte der Staatschef. "Frankreich kann nicht die einzige Macht in der Welt sein, die handelt."

Frankreich werde unter anderem im Krisenstaat Libyen, im Kampf gegen Boko Haram in Nigeria und bei der Bekämpfung von Extremisten in der Sahel-Zone zu Hilfe gerufen, sagte Hollande. "Wir müssen den Afrikanern viel mehr dabei helfen, gegen den Terrorismus vorzugehen. Wenn wir es nicht tun, dann wird es neue Staaten geben, die destabilisiert werden." Frankreich werde seine Verantwortung übernehmen, "aber nicht überall".

Unter Hollande hatte Frankreich Militäreinsätze in Mali und in der Zentralafrikanischen Republik gestartet und beteiligt sich an den Luftangriffen gegen die jihadistische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak. Die frühere Kolonialmacht Frankreich forderte immer wieder mehr Unterstützung etwa von der EU. Zwischenzeitlich wurde in Frankreich auch Kritik an Deutschland laut. Berlin wurde mangelnder Einsatz in Afrika vorgeworfen.

Nigeria unterdrückt Reporter ohne Grenzen zufolge im Vorfeld der Präsidentenwahlen die freie Berichterstattung. Die Regierung erschwere es wissentlich, unabhängige Nachrichten aus dem umkämpften Gebiet im Nordosten des Landes zu bekommen. Dort terrorisieren die Extremisten der Boko Haram ebenfalls die Zivilbevölkerung. Die Organisation teilte am Donnerstag mit, örtlichen Medien werde der Zugang zum Ort der Geschehnisse untersagt und Visa für ausländische Journalisten würden systematisch abgelehnt. (APA, 5.2.2015)

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