ORF-Betriebsrat: "Hunderttausende Euros" für Beraterverträge verschleudert

5. Februar 2015, 13:06
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Moser fordert in Stiftungsrat Aufklärung bei ORF-Beraterverträgen - "Belegschaft empört"

Wien - Neben der Frage der Nebenbeschäftigung von ORF-Mitarbeitern wird sich der ORF-Stiftungsrat in seiner nächsten Sitzung Anfang März auf Wunsch des ORF-Betriebsrats auch mit Berater- und Konsulentenverträgen im ORF beschäftigen. ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser sieht in diesem Bereich "Hunderttausende Euros verschleudert" und fordert von der ORF-Führung die "Notbremse".

"Ich habe Verständnis dafür, dass ein Unternehmen wie der ORF Beraterfirmen und Einzelpersonen von außen beizieht, wenn es sich um Materien handelt, die fundierter Expertisen und eines im Hause nicht vorhandenen Spezialistenwissens bedürfen. Ich habe aber keinerlei Verständnis dafür, dass Hunderttausende Euros für bewusst nebulos angelegte Grundlagenforschung verschleudert werden", erklärte Moser auf APA-Anfrage.

"ORF-Strukturenprojekt"

Den Belegschaftsvertretern des öffentlich-rechtlichen Senders geht es dabei um die Jahre 2014 und 2015, unter anderem um die Beratungstätigkeit der Boston Consulting Group (BCG) beim "ORF-Strukturenprojekt". Die BCG hatte den ORF sowohl bei der Entwicklung der Strategie 2020 als auch bei der Ausarbeitung der künftigen an "Content-Clustern" orientierten ORF-Struktur beraten. Vor allem letzteren Beratungsauftrag hält Moser für verzichtbar: "Wer, wenn nicht die im Haus arbeitenden Menschen weiß besser, wie und wo an Organisation und Struktur zu feilen ist? Im Sinne eines gut aufgestellten ORF und akzeptabler Arbeitsbedingungen im Unternehmen. Und wer, wenn nicht unsere hoch bezahlten Manager und Direktoren sind dazu verpflichtet, diese Erfahrungswerte und dieses Arbeitswissen zu bündeln und auszuwerten?"

Moser: Belegschaft empört

Alles andere klinge laut Moser "nach Megalomanie, eingeschränkter Kompetenz und klassischer Verschwenderei. Dass die von jahrelangen Sparprogrammen und drastischem Personalabbau gebeutelte Belegschaft darüber höchst empört ist, versteht sich von selbst. Und wenn man dann auch noch hören muss, dass für das ohnehin mehr als fragwürdige Vorhaben 'trimedialer Newsroom' Wohlfühlseminare in Managementsprech und 'Positiv- Denken'-Ideologie unter gut bezahlter externer Anleitung veranstaltet werden, ist das Maß nicht nur voll sondern tatsächlich überschritten."

Der Zentralbetriebsratsobmann des ORF erwartet sich deshalb in der kommenden Stiftungsratssitzung "nicht nur detaillierte, also mit Namen und Zahlen versehene Aufklärung in all diesen Bereichen, sondern auch ein klares Signal der Geschäftsführung hier die Notbremse zu ziehen. Im Interesse der Belegschaft und auch der Gebührenzahler."

Thema Nebenbeschäftigungen

Der Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer hatte zuvor im Zusammenhang mit der Kritik von ORF-Journalisten und ORF-Ethikrat am Auftritt von ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz bei der ÖVP-Klubklausur von ORF-Chef Wrabetz bis zur nächsten Gremiensitzung die Offenlegung der Nebenbeschäftigungen prominenter ORF-Journalisten gefordert. Zugleich sprach sich Neuschitzer für ein Ende von Nebenjobs im ORF aus. (APA, 5.2.2015)

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