Die interdisziplinäre Suche nach den Ursprüngen der Musik

5. Februar 2015, 13:03
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Wiener Kognitionsbiologen untersuchen als Teil einer internationalen Forschergruppe, wie Mensch und Tier Musik wahrnehmen

Wien/London - Die Erforschung der Ursprünge von Musik beschäftigt ganz unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen. In der sogenannten Biomusikologie habe sich nun eine internationale Forschungsgemeinschaft gefunden, die überraschend harmonisch zusammenarbeite, sagt der Kognitionsbiologe Tecumseh Fitch von der Uni Wien. Eine Sonderausgabe des britischen Fachblatts "Philosophical Transactions of the Royal Society B" befasst sich nun mit diesem Gebiet.

Bei der Biomusikologie handelt es sich um ein interdisziplinäres Feld, in das Beiträge aus der Psychologie, Biologie und den Neuro-, Sprach- und Musikwissenschaften einfließen. Am Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien beschäftigt man sich damit, wie Mensch und Tier Musik wahrnehmen und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt. "Es gibt nur einen Weg, um herauszufinden, was Menschen so einzigartig im Umgang mit Musik macht - nämlich Tiere zu studieren. Wir müssen wissen, was wir gemeinsam haben und was uns unterscheidet", so der US-Forscher Fitch, der seit 2009 an der Uni Wien arbeitet.

Spezifische Fähigkeiten

Ein Beispiel dafür sei, dass Menschen dazu fähig sind, einen Rhythmus zu halten, Primaten jedoch nicht. Obwohl an Schimpansen sehr viel geforscht werde, hätten Wissenschafter erst vor kurzem herausgefunden, dass die Tiere dies nicht könnten. "Das zeigt uns, dass hier etwas Spezielles in den letzten sechs Millionen Jahren unserer Evolution passiert sein muss", sagt der Forscher.

Auf der anderen Seite haben wiederum manche Tiere musikalische Fähigkeiten, die selbst Primaten nicht haben, was wiederum den Schluss nahe lege, dass auch unsere Primaten-Vorfahren diese Fähigkeiten nicht hatten. Manche Vögel beherrschen beispielsweise stimmliches Lernen - also die Fähigkeit Laute zu erzeugen, die eigentlich nicht zum Standardrepertoire ihrer Art zählen. Die Fragt danach, warum das so ist, führt für Fitch über die evolutionären Hintergründe für das Ausbilden solcher Fähigkeiten direkt zu der wesentlichen Kernfrage: "Wofür Musik gut ist."

Insgesamt scheine es, als ob verschiedene Tierarten zusammen nahezu alle Aspekte von Musikalität abdecken würden. Keine andere Spezies vereint aber alle Fähigkeiten des Menschen, führt Fitch in seinem Überblicksartikel in den "Philosophical Transactions of the Royal Society B" aus. Sieht man sich Tiere und ihre Fähigkeiten an, werde auch immer wieder klar, was man eigentlich über den Menschen und seinen Umgang mit Musik alles nicht wisse. (APA, 5.2.2015)

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