Nur Hermann Maier stand drüber

5. Februar 2015, 11:14
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Max Franz, Otmar Striedinger, Georg Streitberger und Romed Baumann kämpfen am Freitag um zwei Startplätze in der Abfahrt. Die Qualifikation hat im ÖSV-Team eine bewegte Geschichte

Beaver Creek - Das berühmteste Resultat einer österreichischen Abfahrtsqualifikation trug sich im Zeichen Olympias zu. Allerdings hatte sich Leonhard Stock 1980 in Lake Placid, wohin der Tiroler lediglich als Ersatzfahrer gereist war, mit zwei Trainingsbestzeiten aufgedrängt, durfte also nach Trainerentscheid starten, während der regierende Weltmeister Sepp Walcher in der Qualifikation Werner Grissmann und Peter Wirnsberger unterlag. Stock holte sich nicht nur vor Wirnsberger Gold, sondern entthronte auch Walcher, da es seinerzeit zum letzten Mal bei Olympia auch noch um den WM-Titel ging.

Ein schlechtes Omen für die aktuell hoffenden Herren Max Franz, Otmar Striedinger, Georg Streitberger und Romed Baumann ist, dass zuletzt 1998 bei Olympia in Nagano ein Qualifikant auch im Ernstfall reüssierte. Der heutige Fis-Renndirektor Hannes Trinkl und Fritz Strobl hatten sich gegen Stephan Eberharter, Werner Franz, Josef Strobl und Hans Knauß durchgesetzt. Trinkl fuhr dann immerhin zu Bronze.

Die Lobby

Der große Hermann Maier war auf Qualifikationen nicht angewiesen, selbst wenn er von Rechts wegen auf Qualifikationen angewiesen gewesen wäre. Bei der WM 2003 in St. Moritz war das für die Ausscheidung vorgesehene Training wetterbedingt nicht durchführbar, Maier und Fritz Strobl wurden die Startplätze zuerkannt. Andreas Schifferer, wie Klaus Kröll auf der Strecke geblieben, tobte aufsehenerregend: "Meine Wut richtet sich gegen den Verband, denn dort ist eine Maier-Lobby erkennbar."

Maier wurde schließlich Achter, und Schifferers Verdacht wurde vier Jahre später teilweise bestätigt. Anlässlich der WM 2007 in Are hatte sich Maier gegen Christoph Gruber zu qualifizieren. Der Tiroler fuhr Bestzeit, ihm wurde aber dennoch der viertplatzierte Salzburger vorgezogen. "Der Sport braucht seine Helden", rechtfertigte Verbandspräsident Peter Schröcksnadel die Entscheidung für das langsam bröckelnde Skidenkmal und fügte wenig elegant hinzu, dass es Gruber bei Großereignissen ohnehin "immer vermasselt" habe. Maier kam dann auf Rang 13.

Erfahrung

Im aktuellen Abfahrtsteam für die WM haben schon alle Läufer Qualifikationserfahrungen gemacht. Die Fixstarter für Freitag, Hannes Reichelt und Olympiasieger Matthias Mayer, je einmal gute. Reichelt fuhr sich 2011 in Garmisch in die WM-Abfahrt, wurde aber nur 16. Zwei Jahre später sicherte sich Mayer bei der Heim-WM in Schladming einen Platz und kam als 13. an.

Baumann und Streitberger fahren schon ihre jeweils fünfte Qualifikation, wobei weder der Tiroler noch der Salzburger Spezialisten zu nennen sind. Baumann blieb bisher noch jedesmal auf der Strecke (also eigentlich nicht), Streitberger konnte sich erst einmal, bei Olympia in Sotschi, einen Startplatz vor Ort sichern. Striedinger musste diesbezüglich erst eine Niederlage hinnehmen, mit 0,06 Sekunden Rückstand eben gegen Streitberger in Sotschi.

Franz favorisiert

Franz ist noch nie in die Verlegenheit einer Qualifikation gekommen, in seine Premiere geht der Kärntner nach Rang drei im ersten Abfahrtstraining jedenfalls als erster Anwärter auf einen der beiden zur Verfügung stehenden Plätze. (APA, lü, DER STANDARD, 6.2.2015)

  • Hermann Maier 2007 in Are nach seiner Qualifikationsniederlage gegen  Christoph Gruber, die aber auf höheren Beschluss ignoriert wurde.
    foto: reuters/leckel

    Hermann Maier 2007 in Are nach seiner Qualifikationsniederlage gegen Christoph Gruber, die aber auf höheren Beschluss ignoriert wurde.

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