Die AfD zankt sich ihrer Testwahl entgegen

5. Februar 2015, 05:30
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Eigentlich sollte der AfD-Parteitag Frieden bringen, aber der Streit um Personen und Themen geht munter weiter. Die Aussichten in Hamburg sind nicht eben rosig

Es war ein gutes Wochenende für Bernd Lucke gewesen. Mit großer Mehrheit waren die Teilnehmer am Parteitag den Vorstellungen des Gründers der AfD (Alternative für Deutschland) gefolgt. Nur noch bis April wird die AfD von einem Dreiergremium geführt. Danach steht ein Duo an der Spitze, das schließlich im Dezember von einem alleinigen Parteichef abgelöst wird. Es ist nicht schwierig vorauszusehen, wer das sein wird: Lucke selbst.

Er hatte am Parteitag vehement für diesen in der Partei umstrittenen Kurs geworben. Doch kaum war das Parteitagsmobiliar abgebaut und der Alltag wieder eingekehrt, ging der Streit weiter. AfD-Vizechef Alexander Gauland, dem die Führung der Partei durch nur eine Person missfällt, wirft Lucke nun "Schwachsinn" vor. Luckes Kritik an der "stümperhaften" Arbeitsweise der bisherigen Parteispitze sei nämlich "völlig falsch, unsinnig und unkollegial".

Streitvermeidung

Prompt bat Jörn Kruse, Spitzenkandidat der AfD in Hamburg, sich zu mäßigen und nicht alles "auf die Goldwaage" zu legen. Er nämlich hat in zehn Tagen (15. Februar) Landtagswahl und kann keinen Streit gebrauchen. In Hamburg, wo Bürgermeister Olaf Scholz mit seinen Sozialdemokraten allein regiert, wird die Bürgerschaft neu gewählt. Die AfD will den Einzug schaffen, sie wäre dann zum ersten Mal in einem westdeutschen Bundesland vertreten und hätte einen wichtigen Etappensieg errungen.

Denn von vielen wird sie als Sammelbecken für Unzufriedene vor allem in Ostdeutschland abgetan. Tatsächlich hatte die AfD bei den drei Landtagswahlen im Sommer 2014 stark abgeschnitten. In Sachsen schaffte sie aus dem Stand 9,7 Prozent, in Thüringen 10,6, in Brandenburg 12,2.

Sechs Prozent in Umfragen

Für die Hamburger Wahl jedoch sind die Aussichten nicht ganz so rosig. Zwar sagen Umfragen den Einzug in die Bürgerschaft voraus, aber derzeit nur mit sechs Prozent.

Zurzeit ist nicht klar, welchen Weg die AfD künftig gehen wird. Lucke möchte auch in Zukunft mehr mit der Europolitik punkten. Das ist jenes Thema, das überhaupt zur Gründung der AfD geführt hat und das er jetzt, nach der Wahl in Griechenland, wieder als am wichtigsten erachtet.

Die AfD lehnt ja den Euro in seiner jetzigen Form ab, will stattdessen einen "starken Nordeuro" und Athen keine weiteren Hilfen gewähren. Gauland und Koparteichefin Frauke Petry, die auch die AfD-Fraktion in Sachsen führen, hingegen wollen lieber mit innerer Sicherheit, Förderung für die klassische Familie und, Strenge gegen Zuwanderung punkten.

Mitte oder rechter Rand

"Mit dem Eurothema allein kann man keine Landtagswahlen gewinnen", sagt Gauland, und sein Wort hat Gewicht. Schließlich fuhr er in Brandenburg 12,2 Prozent ein. Zwar betont Lucke, "dass der Erfolg der AfD untrennbar verknüpft ist mit dem Ansehen, das die AfD in der Mitte der Gesellschaft genießt und nicht an ihren Rändern".

Gauland jedoch marschiert bei Pegida mit, findet, Deutschland solle keine Zuwanderer mehr aus dem Nahost aufnehmen. Über den Ökonomen Lucke höhnt er: "Es ist nicht seine Stärke, historische Zusammenhänge und kulturelle Traditionen zu bewerten."

Unbeachteter Politiker

Noch einmal zurück zu Hamburg: Dort wollte AfD-Spitzenkandidat Kruse neulich an einem Infostand Flyer verteilen. Doch kein Mensch beachtete ihn. Um den anwesenden Journalisten "schöne Bilder" zu bieten, sprang kurzerhand ein Parteiaktivist ein und mimte den interessierten Wähler. Pech für die AfD: NDR-Reporter fingen die Szene mit der Kamera ein, nun ist das Gelächter in Deutschland groß. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 5.2.2015)

  • AfD-Gründer Bernd Lucke will es künftig als alleiniger Parteichef mit  der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel aufnehmen. Doch sein  Eurothema ist vielen in der Partei zu wenig.
    foto: epa / jörg sarbach

    AfD-Gründer Bernd Lucke will es künftig als alleiniger Parteichef mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel aufnehmen. Doch sein Eurothema ist vielen in der Partei zu wenig.

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