Warum Feministinnen plötzlich auf die Farbe Rosa stehen

Ansichtssache5. Februar 2015, 17:14
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Die Farbe Rosa hat in feministischen Kreisen ein Imageproblem. Für immer mehr junge Frauen ist sie aber ein Zeichen der Stärke - sie formieren sich in Künstlerkollektiven und auf Webseiten - wir haben einige von ihnen in London fotografiert

Als die Spice Girls ihre größten Erfolge feierten, waren sie gerade einmal im Kindergarten. Die in den frühen 1990er-Jahren geborenen Protagonistinnen unserer Fotostrecke waren damals eine der Hauptzielgruppen der britischen Girlgroup. Heute sind sie selbst Musikerinnen, Fotografinnen, bildende Künstlerinnen oder Models und verkörpern ein neues Auftreten im Feminismus. Sie stehen auf Plüschoutfits und Achselbehaarung, ihre Schaufenster sind die Social-Media-Kanäle Instagram und Tumblr, ihre Fotos meistens Selfies. Und ihre Lieblingsfarbe ist Rosa.

Ja, Rosa! Die Farbe hatte in feministischen Kreisen lange ein Imageproblem. Für immer mehr junge Frauen ist sie aber ein Zeichen von Stärke geworden. Sie formieren sich in All-Girl-Kunstkollektiven und rosarot unterlegten Webseiten, treffen sich teilweise nur online und geben sich hyperfeminine Namen wie Bunny Collective oder Peachy n Keen. Es sei momentan "einfach cool, auf Instagram 'Fuck yeah, ich bin Feministin' zu sagen", konstatieren etwa die Gründerinnen der Website Peachy n Keen.

Für das Postergirl der Bewegung, Arvida Byström, ist Rosa gleichzeitig eine politische und eine ungemein "herzige" Farbe. Sich hyperweiblich zu geben und gleichzeitig Feministin zu sein, ist für sie und ihre Freundinnen kein Problem. Nur mit dem Begriff "Lippenstift-Feministin" können die meisten von ihnen recht wenig anfangen, wie sie am Rande unseres Fotoshootings in London erzählen. (Text & Fotos: Britta Burger, Styling: Maria Pizzeria, Rondo, DER STANDARD, 6.2.2015)

Ab 10. Februar zeigt das österreichische Kulturforum in London eine Fotoausstellung unserer Fotografin und Autorin Britta Burger.

Bild 1 von 5
foto: britta burger

Arvida Byström
Fotografin, Künstlerin, Model

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STANDARD: Was bedeutet für Sie die Farbe Rosa?

Byström: Sie ist eines der wichtigsten eindeutig weiblich konnotierten Ausdrucksmittel - und eine der wenigen Farben, zu der viele Leute eine klare Meinung haben. Eine politische Farbe! Mich interessiert, welchen Effekt Rosa hat, wenn ich die Farbe in meiner künstlerischen Arbeit einsetze.

STANDARD: Passen Mode und Feminismus zusammen?

Byström: Wenn mit Mode Kleidungsstücke gemeint sind, dann ja. Die Modeindustrie lässt sich mit Feminismus aber überhaupt nicht vereinbaren. Sie gründet auf dem kapitalistischen System, und dieses ist von Grund auf patriarchal strukturiert.

STANDARD: Was halten Sie vom Ausdruck "Lippenstift-Feministin"?

Byström: Natürlich kann man Lippenstift mögen und auch Feministin sein! Ich hab aber das Gefühl, das ist abwertend gemeint.

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Arvida Byström (23) stammt aus Schweden und lebt in London. Ihr Instagram-Account (arvidabystrom) hat mehr als 40.000 Abonnenten.

arvidabystrom.se

Arvida trägt: Ohrringe von Christian Cowan-Sanluis, Top von Lucilla Gray, Bustier Saccaharine Shrine von The Lazy Ones.

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