Nachwahl schwächt Sarkozys Position in eigener Partei

4. Februar 2015, 17:27
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UMP-Kandidat kommt nicht in die Stichwahl

Bei der Parlamentsnachwahl im ostfranzösischen Doubs musste die "Union für eine Volksbewegung" (UMP) von Nicolas Sarkozy eine Niederlage einstecken: Im Finale stehen die Sozialisten (PS) und der Front National (FN).

Der Urnengang war nötig geworden, weil der Sozialist Pierre Moscovici in die Europäische Kommission wechselte - für die konservative UMP eine Gelegenheit, der Linksregierung des unpopulären François Hollande den Gnadenstoß zu geben.

Interner Streit

Für den zweiten Wahlgang in der traditionellen Linksbastion qualifizierte sich jedoch der Sozialist Frédéric Barbier mit 29 Prozent der Stimmen hinter der Front-National-Kandidatin Sophie Montel (33 Prozent). UMP-Bewerber Charles Demouge blieb mit 27 Prozent auf der Strecke - ein herber Rückschlag für Sarkozy, der die Geschicke der Partei erst Ende letzten Jahres übernommen hatte, um sich für die Präsidentschaftswahl 2017 in Stellung zu bringen.

Die vielleicht noch empfindlichere Schlappe: Seine eigene Partei verweigerte Sarkozy die Gefolgschaft, als es um die Empfehlung für die Stichwahl am Sonntag ging. Hintergrund ist ein Streit um die wechselseitige Unterstützung der etablierten Parteien UMP und PS, um den Sieg der Rechtsextremen zu verhindern.

Sarkozy wollte dem PS eine direkte Wahlempfehlung verweigern, während sein interner Rivale Alain Juppé zur Stimmabgabe für den Sozialisten aufrief. Der rechte Parteiflügel wiederum empfiehlt, ungültig zu wählen.

Konfuse Parteilinie

Sarkozy weiß, dass er bei der Präsidentschaftswahl nur eine Chance hat, wenn er seine Partei geschlossen hinter sich schart. Sein Kompromissvorschlag "nein zum FN, aber Stimmfreigabe" löste jedoch nur Kopfschütteln aus. "Verstehe das, wer wolle", kommentierte sogar die ihm nahestehende Zeitung Le Figaro. Im Parteivorstand setzte sich die Parole "weder FN noch PS" durch.

Wer auch immer die Stichwahl gewinnen wird: Mit dem UMP-Chef steht der Hauptverlierer bereits fest. Mangels taktischen Feingefühls schafft es Sarkozy derzeit nicht, seine Partei zu einen. Er könnte es bald ebenso schwer wie Hollande haben, sich im eigenen Lager durchzusetzen. Die Präsidentschaftswahlen 2017 erscheinen damit offener denn je. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 5.2.2015)

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