Malta fordert UN-Truppen für Libyen

4. Februar 2015, 16:49
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Merkel sagt Unterstützung zu - Bewaffnete besetzen Ölfeld

Tripolis/Berlin - In Europa wächst die Sorge vor einem Auseinanderfallen Libyens und dem Entstehen eines Rückzugsraumes für Islamisten. "Wir müssen alles dafür tun, dass Libyen kein 'failed state' wird", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch nach einem Treffen mit dem maltesischen Ministerpräsidenten Joseph Muscat in Berlin. In dem Land selbst eroberten Unbekannte ein Ölfeld.

Muscat warnte, die EU dürfe angesichts der Ukraine-Krise nicht die Bedrohungen an der Südgrenze vergessen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass es ein Vakuum gibt, in das der Islamische Staat oder anderen Gruppen hineinstoßen, weil ihnen von staatlichen Autoritäten nicht entgegengesetzt."

Öl und Flüchtlinge

Er forderte eine Regierung der nationalen Einheit in Tripolis. Diese solle dann die Vereinten Nationen um die Entsendung einer Friedenstruppe bitten. Libyen sei für Europa nicht nur als Öllieferant wichtig, sondern auch als Grenze für die Flüchtlingsströme Richtung EU.

"Ich glaube, dass Deutschland (...) auch eines der Länder sein muss, das hier eine Führungsrolle übernehmen sollte", sagte Muscat. Merkel versprach Hilfe, ohne konkret zu werden: "Wenn die UN etwas vorschlagen, was der Absicherung Libyens dienen kann, dann wird Deutschland das unterstützen."

Derzeit kämpfen in Libyen mehrere mit beiden Regierungen verbündete Milizen um Einfluss in dem nordafrikanischen Land. Eine funktionierende Zentralgewalt gibt es auch vier Jahre nach dem Sturz Gaddafis nicht. Die Ölförderung ist auf ein Fünftel der einstigen Produktion gefallen.

Wie unsicher die Lage ist, zeigte sich am Mittwoch, als Unbekannte das Ölfeld Al-Mabrook in Zentrallibyen eroberten. Bewaffnete Männer seien auf das Gelände vorgedrungen, teilte ein Sprecher der Nationalen Ölgesellschaft (NOC) mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Ein Vertreter des Wachpersonals machte Islamisten für den Überfall verantwortlich. "Das Feld befindet sich nicht unter unserer Kontrolle", sagte er. Bisher wurde das Ölfeld von der international anerkannten Regierung kontrolliert. Die in Tripolis herrschende rivalisierende Regierung erklärte, Anhänger des früheren Machthabers Muammar Gaddafi seien verantwortlich für den Angriff auf das Ölfeld.

Bei dem Überfall wurden nach Informationen aus französischen Diplomatenkreisen möglicherweise vier einheimische Beschäftigte getötet. Der französische Total-Konzern ist an dem Ölfeld beteiligt. Im Dezember wurde der Betrieb nach Kämpfen im Ölhafen Es Sider eingestellt. Es hatte eine Kapazität von 40.000 Barrel pro Tag. (APA/Reuters, 4.2.2015)

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