Charles L. Sifford, erster schwarzer PGA-Golfer und -Turniersieger, gestorben

4. Februar 2015, 16:43
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Wegbereiter und "Großvater" von Tiger Woods

Charlotte - Sein Markenzeichen, die Zigarre, hatte sich Charles L. Sifford schon sehr früh, mit zehn, elf Jahren angewöhnt. Da frönte der Bub aus Charlotte, North Carolina, seiner Leidenschaft, dem Golfspiel, in der in den 1930er-Jahren für einen Schwarzen einzig möglichen Art. Sifford trug den Golfern die Taschen, wirkte als Caddie und durfte hin und wieder selbst einen Schlag tun. Pro Tag bekam er dafür 60 Cents, 50 lieferte er daheim ab, der Rest ging in Zigarrenrauch auf.

Sifford gab diese Schnurre selbst zuletzt noch im Vorjahr zum Besten, als US-Präsident Barack Obama dem gebrechlichen 92-Jährigen im Weißen Haus die Freiheitsmedaille umhängte - in einer Zeremonie mit Showbiz-Größen wie Meryl Streep und Stevie Wonder. Obama ehrte Sifford für den lebenslangen Einsatz für Gleichberechtigung und erinnerte an die Erniedrigungen, die dem Golfer widerfuhren, der aus Klubhäusern geworfen oder erst gar nicht in diese eingelassen wurde, an all die Schmähungen, an die Todesdrohungen.

Sifford hat alles weggesteckt, "nicht für mich, sondern für den Sport". Nicht zuletzt seine Zielstrebigkeit und sein Können sowie natürlich auch der Zug der Zeit führten zu seinem großen Triumph. Ab 1961 schlug er als erstes schwarzes Vollmitglied auf der Tour der Professional Golfers Association (PGA) ab. Die hatte kurz davor unter Druck der kalifornischen Generalstaatsanwaltschaft ihre diskriminierende Politik aufgegeben, die lediglich Weißen die Teilnahme gestattete.

Davor hatte Sifford, der schon als 13-Jähriger auf jedem Platz Par gespielt hatte, in der von Schwarzen gegründeten United Golf Association, die auch Weiße nützten, Meriten und eigentlich die Spielberechtigung für die PGA erworben. Fünfmal gewann er etwa die sogenannten National Negro Open.

Als Sifford den ihm zustehenden Platz einnehmen konnte, war er bereits über seinem Leistungszenit. Auf der PGA Tour gewann er nur zwei Turniere - 1967 die Greater Hartford Open und 1969 die Los Angeles Open. 1975 entschied er die PGA Seniors' Championship für sich. Siffords eigentlichen Erfolg sollte aber Tiger Woods ernten, der ihn einmal den "Großvater" nannte, "den ich nie hatte". Ohne ihn als Wegbereiter wäre er vielleicht nie beim Golf geblieben, sagte der Superstar der Szene.

2004 wurde Sifford als erster Schwarzer in die Hall of Fame des Golfsports aufgenommen und sah sich in seinem Credo, wonach alles passieren könne, wenn man es nur ausdauernd genug probiere, bestätigt. "That little old golf I played was all right, wasn't it?", fragte er - rhetorisch natürlich. Am 3. Februar ist Charles Luther Sifford in Cleveland, Ohio, den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. (lü, DER STANDARD, 5.2.2015)

  • Einmal nicht mit Zigarre, aber dennoch äußerst glücklich: Charlie Sifford am 13. Jänner 1969 nach seinem Triumph bei den Los Angeles Open.
    foto: ap

    Einmal nicht mit Zigarre, aber dennoch äußerst glücklich: Charlie Sifford am 13. Jänner 1969 nach seinem Triumph bei den Los Angeles Open.

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