Vier Nationen und ein Rechtsanwalt

4. Februar 2015, 16:17
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Trainer Daniel Ratushny will das Eishockeyteam beim Wiener Turnier mit einer neuen Spielphilosophie vertraut machen

Wien - Ab Donnerstag steht Daniel Ratushny wieder im Rampenlicht. Er wird auch im Mittelpunkt der Kritik stehen, wenn beim Turnier in der Eissporthalle Kagran etwas schiefläuft. Und das wäre keine große Überraschung, zumal beim Kräftemessen in der Albert-Schultz-Halle ein ÖEHV-Team ohne seine Stars zu sehen sein wird: lauter junge Spieler, kein einziger ist über 30. Weder NHL-Cracks noch auch ein Teil der anderen Legionäre (Andre Lakos, Stefan Ulmer) sind verfügbar.

Doppelbelastung

Ratushny führt das Team in sein zweites Turnier als Chef. Im ersten setzte es gegen Slowenien eine 1:3-Niederlage. Der 44-Jährige, der 1992 als Verteidiger mit Kanada Olympiasilber gewann, war bis vor einem halben Jahr hierzulande ein Unbekannter. Dann übernahm er zuerst Red Bull Salzburg und kurz darauf die österreichische Nationalmannschaft. Er hält bisher der Doppelbelastung stand: Salzburg gewann den Grunddurchgang der Liga. Ziel ist es auch, das ständige Pendeln des Nationalteams zwischen A- und B-Gruppe zu stoppen.

Dabei hatte er schon einmal von seinem Sport genug. Ratushny nahm sich ab 2005 eine Auszeit vom Eishockey und studierte an der University of Ottawa Rechtswissenschaften. Noch während seiner aktiven Zeit hatte er seinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Cornell-Universität in New York gemacht. Dazu erwarb er sich den MBA an der HEC Paris und an der Strathclyde Business School in Schottland. Danach arbeitete er lange Zeit als Rechtsanwalt bei der Anwaltskanzlei Stikeman & Elliott in Toronto. Alles schien schön und gut, aber das Eishockey fehlte ihm: Ratushny legte 2009 seinen Job als Rechtsanwalt nieder und heuerte beim Schweizer HC Olten, später in Straubing in Deutschland als Cheftrainer an.

Sowohl in Rechtsangelegenheiten als auch im Eishockey ist Defensive gefragt: "Meine Philosophie beinhaltet natürlich absolut auch, defensiv gut zu spielen. Scheibenbesitz schaut offensiv aus, ist aber auch defensiv, weil wir den Puck kontrollieren und der Gegner nicht angreifen kann. Ich bin kein großer Fan davon, nur hinten abzuwarten." Das schaue gut organisiert aus, ende aber oft damit, "dass du im eigenen Drittel gehalten wirst. Und wenn du einen Fehler machst, steht der Gegner vor dem Tor." Er habe lieber ein bisschen mehr Druck auf den Gegner, "dass man schaut, ob wir die Scheibe im Angriffsdrittel gewinnen können, und wenn wir vorn Fehler machen, haben wir noch Zeit, zurückzulaufen."

Ratushny ist auch bekennender Optimist: "Eishockey kommt besser und besser, das sehen wir in der Champions League und in der Liga." Und trotz drohender Niederlagen gegen Spitzenteams verliert er seinen Humor nicht: "Niederlagen sind immer schmerzhaft. Aber wir sehen das nur positiv, als hochqualitativen Test dafür, was uns bei der WM erwartet." Die steigt im Mai in Tschechien - Österreich erwarten in der Gruppe A unter anderen die Gastgeber, Kanada und Schweden. (APA, mdt, DER STANDARD, 5.2.2015)

  • Daniel Ratushnys Aufgabe ist es, ziemlich flott ein Team für die WM in Prag zu formen.
    foto: apa/ neubauer

    Daniel Ratushnys Aufgabe ist es, ziemlich flott ein Team für die WM in Prag zu formen.

  • Die Torhüter bereiten dem Teamchef am wenigsten Kopfzerbrechen. Bernhard Starkbaum vom schwedischen Klub Brynas kommt in bestechender Form zum Vier-Nationen-Turnier nach Wien. Zu sehen von Donnerstag bis Samstag in der Albert-Schultz-Halle.
    foto: apa/ fohringer

    Die Torhüter bereiten dem Teamchef am wenigsten Kopfzerbrechen. Bernhard Starkbaum vom schwedischen Klub Brynas kommt in bestechender Form zum Vier-Nationen-Turnier nach Wien. Zu sehen von Donnerstag bis Samstag in der Albert-Schultz-Halle.

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