Protest gegen Westbahnausbau: "Wir ketten uns auch an die Schienen"

4. Februar 2015, 17:16
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Gemeinde Leonding fühlt sich von ÖBB überfahren und fürchtet Lärmbelästigung

Linz – Beim geplanten viergleisigen Ausbau der Westbahn zwischen Linz und Wels ist zumindest auf dem Gemeindegebiet von Leonding aktuell nichts mehr auf Schiene. Während Stadt und ÖBB in den letzten Jahren zumindest im Gespräch waren und – wenn auch schleppend – über unterschiedliche Ausbau-Vorstellungen diskutiert wurde, hat Leonding jetzt die Notbremse gezogen.

Grund dafür: Am 22. Dezember reichte die ÖBB entsprechende Unterlagen für ein UVP-Verfahren beim Infrastrukturministerium ein. Aus Sicht der Stadt ohne Absprache und vor allem ohne Berücksichtigung der lärmtechnischen Bedenken und diesbezüglichen Verbesserungsvorschläge aus Leonding. Konkret befürchtet man durch eine künftig bis zu 40 Meter breite Gleisanlage quer durch das gesamte Gemeindegebiet eine massive Verschlechterung der Lebensqualität und vor allem eine deutlich erhöhte Lärmbelästigung. Erste Maßnahme wäre daher aus städtischer Sicht eine Tieferlegung der Gleisanlagen sowie eine Einhausung von rund 1,8 Bahnkilometern.

SP-Bürgermeister Walter Brunner: "Wir wollen nichts verhindern, die Bahnstrecke ist von internationaler Bedeutung. Wir wollen nur den bestmöglichen Lärmschutz. Die ÖBB hat uns konstruktive Gespräche versprochen – und will jetzt über- und drüberfahren." Die Weichen in den Verhandlungen neu stellen will man nun mit Bürgerhilfe. Die bereits bestehende Plattform "Impulse Schiene Leonding" plant, sich ab sofort breiter aufzustellen. "Offensichtlich hört man uns nicht, daher müssen wir mehr und lauter werden. Wir suchen zwar weiter das Gespräch, schrecken aber vor konkreten Protestmaßnahmen nicht mehr zurück. Wir ketten uns auch an die Schienen – aber nur im Extremfall", erläutert Sprecher Rene Lindner.

Vonseiten der ÖBB sieht man sich dennoch mit Leonding "in gutem Gespräch, um gemeinsam eine Lösung für die Wünsche der Gemeinde zu finden". Was den Lärmschutz betrifft, ist die Bahn-Position aber klar: Die Lärmgrenzwerte könnten mit "konventionellem Lärmschutz", also Lärmschutzwänden und Lärmschutzfenstern, eingehalten werden. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 04.02.2014)

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